Streit um Nationalgetränk: Ayran-Produzenten hoffen auf Umsatzzuwächse

Mit seinen jüngsten Äußerungen zum Thema Nationalgetränk hat der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan nicht nur eine Grundsatzdebatte im Land angestoßen. Auch die Wirtschaft versucht davon zu profitieren. Nach dem türkischen Alkoholhersteller-Verband melden sich nun die Ayran-Produzenten zu Wort und hoffen, von dem öffentlichen Wohlwollen des Politikers zu profitieren.

Die Richtung des türkischen Premiers Erdoğan ist klar: In der vergangenen Woche bezeichnete er Ayran, ein traditionelles Getränk aus Joghurt, als das Nationalgetränk der Türken. Die Debatte im Land war entfacht. Auch der Alkoholhersteller-Verband (GİSDER) wollte das nicht auf sich sitzen lassen und wandte sich noch am Wochenende an die Europäische Union. Sie soll Rakı künftig als türkisches Nationalgetränk anerkennen (mehr hier). Allein darauf bauen, dass die türkische Regierung schon allein auf Grund der hohen Steuereinnahmen durch Alkohol das Getränk nicht völlig ins Abseits schießt, wollte man offenbar nicht (mehr hier).

Weniger besorgt zeigen sich entsprechend die Produzenten der nicht-alkoholischen Variante. Diese, so berichtet die türkische Zeitung Zaman, hofften nach den Äußerungen des Premiers auf neue Rekordumsätze. „Wir gehen auf jeden Fall davon aus, dass [Erdoğans] Kommentare unsere Umsätze in nennenswerter Weise steigern werden“, zitiert das Blatt Harun Çallı, Präsident der Vereinigung der türkischen Milchproduzenten und -Exporteure (ASÜD). Dem Blatt bestätigen kann das auch Pınar Süt von einem öffentlichen Molkereiunternehmen. Nur Minuten nach den Äußerungen Erdoğans sei deren Aktie um gut drei Prozent nach oben geschossen. Erst im Laufe des Tages ging der Wert wieder etwas nach unten.

Ayran-Produktion 2012 um zehn Prozent gestiegen

„Ich fand die Kommentare ganz richtig und wahr“, meint hierzu Çallı, der nun einen immensen Verkaufsschub erwartet. Immerhin erfahre der Markt schon jetzt ein rasantes Wachstum. „Im Jahr 2012 stieg die Ayran-Produktion im Vergleich zu 2011 um zehn Prozent auf 508.444 Bruttoregistertonnen.“ Ähnlich wie die Alkoholproduzenten erwartet nun aber auch er, dass die Molkerei Union Bestrebungen hegen und Susurluk Ayran, der aus Molkereien in der Provinz Balıkesir stamme, patentieren lassen könnte.

Dass sich die Trinkgewohnheiten der Türken durch die jüngsten Äußerungen des Premiers in Richtung weniger Alkoholkonsum verändern werden, glaubt man am „Center for Economic and Social Research“ (BETAM) der Istanbuler Bahçeşehir Universität hingegen nicht. Eine Studie zeigte bereits auf, dass der Alkoholkonsum ohnehin bereits auf einem sehr niedrigen Niveau liege. So konsumierten 2008 gerade einmal sechs Prozent aller türkischen Haushalte Alkohol. Den Wissenschaftlern, so die Zaman, scheine es wahrscheinlicher, dass die derzeitige Stimmung in der Tat den Ayran-Vertrieb ankurbeln könnte. Und das zum Nachteil anderer einzigartiger türkischer Getränke wie etwa şalgam suyu oder gazoz.

Haushaltsdefizit: Ohne Alkoholsteuern geht es nicht

Doch aktuelle Trends und Patente hin oder her: Noch wichtiger könnte für Alkohol-Produzenten allerdings ein anderer Umstand ins Gewicht fallen: Die massiven Steuererhöhungen unter anderem auf Alkohol im Jahr 2011. Nach Angaben des staatlichen türkischen Statistik Instituts (TurkStat) wurden im vergangenen März Steuern auf Spirituosen und Bier in Höhe von 336.900.000 türkischen Lira (187.45 Millionen Dollar) eingenommen. Immerhin ein deutlich spürbarer Brocken des gesamten Umsatzes von 24700000000 Lira (13.7 Milliarden Dollar) in diesem Monat. Mit einem aktuellen Haushaltsdefizit von 5,4 Milliarden TL (drei Milliarden Dollar)  kann Ankara dieser „Sünde“ also gar nicht widerstehen.

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