Türkei-Report: „Null-Problem Politik“ gescheitert

Die amerikanische Denkfabrik International Crisis Group (ICG) ist der Auffassung, die Türkei spiele sich im Syrien-Konflikt zunehmend als „sunnitischer Hegemon“ auf. Die von Ankara viel beschworene „Null-Problem Politik“ sei am Ende. Doch noch könne das Land eine ausgewogenere Rolle einnehmen, um ihre Grenze zu Syrien zu sichern. Denn der Konflikt könne jederzeit auf die Türkei überspringen.

In einem Artikel der US-Denkfabrik International Crisis Group (ICG) wird festgestellt, dass sich der Anspruch der türkischen „Null-Problem Politik“ in außenpolitischen Angelegenheiten nicht verwirklicht habe. Insbesondere im Syrien-Konflikt habe sich die  Außenpolitik in eine „Multiple-Problem Politik“ entwickelt.

Die Türkei verfüge nicht über die Kapazitäten, um den Syrien-Konflikt zu lösen und wird militärisch nicht intervenieren. Die Bewaffnung der Oppositionellen durch die Türkei konnte den Sturz Assads nicht herbeiführen. Es sei auch unwahrscheinlich, dass sich daran etwas ändern werde.

Der türkische Wunsch nach einer führenden Rolle – mit Blick auf das osmanische Erbe – in der sunnitischen Nachbarschaft des Nahen Ostens, stehe im Widerspruch zur Realität. Denn die Türkei habe nun ein „unkontrollierbares, brüchiges und radikalisiertes Niemandsland“ vor seiner Haustür.

Sie versuche eine schnelle Lösung in Syrien herbeizuführen. Dabei drohe das Land, sich ein Image eines „sunnitischer Hegemons“ zu verpassen. Das sei gefährlich. Denn der Syrien-Krieg nehme immer weiter einen konfessionellen Charakter an und drohe auf die Türkei überzuspringen. Insbesondere die Provinz Hatay sei bedroht. Deshalb müsse die Türkei als ausgewogene Macht im Syrien-Konflikt auftreten. Das sei die einzige Möglichkeit die türkisch-syrische Grenze wieder abzusichern.

Der US-Analyst Soner Çağaptay sagte zuvor im Gespräch mit den DTN, es gebe Stimmen, die sagen, dass die türkisch-syrische Grenze ohnehin de facto nicht mehr bestehe. Denn auf der einen Seite befinden sich die von den Rebellen kontrollierten Regionen und auf der anderen Seite die Türkei, wo sie Elemente der syrischen Opposition beherberge. „Die Türkei steckt tief drin in diesem Konflikt“, so Çağaptay (mehr hier).

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