Griechenland am Boden: Jetzt fliehen selbst die illegalen Migranten

Sie nehmen lange Wege auf sich, um über Griechenland nach Europa und damit in eine bessere Zukunft zu gelangen. Doch viele illegale Migranten sind im elenden Süden Europas gestrandet. Jetzt setzt der Gegentrend ein. Offenbar immer häufiger wenden sich nun an die Internationale Organisation für Migration (IOM). Ihr Wunsch: Sie wollen wieder nach Hause.

Einst, so berichtet derzeit die türkische Zeitung Zaman, hätten viele illegale Migranten immense Summen an Menschenschmuggler bezahlt, um so nach Europa zu gelangen. In Griechenland gestrandet, kämpften sie dort nun mit den harschen Umständen eines Landes, das finanziell völlig am Abgrund steht. So fänden diese Leute weder einen Ort, an dem sie leben könnten, noch einen regelmäßigen Job, der sie über Wasser hält. Die bittere Konsequenz: Sie würden sich zur Rückkehr in ihre Heimatländer entscheiden. Die Crux stellt sich ihnen jedoch auch bei diesem Unterfangen. Da sich viele die Tickets für eine Rückreise nicht leisten könnten, würden sie nun auf die Unterstützung der Internationalen Organisation für Migration (IOM) warten.

Die Lage der Illegalen ist jedoch nicht nur von finanziellen Zwängen bestimmt. Auch das Klima innerhalb Griechenlands wird gegenüber Ausländern zusehends ungemütlicher. Mit Aufkommen der ökonomischen Krise erstarken auch fremdenfeindliche Parteien wie Golden Dawn (mehr hier) und deren Kampagnen innerhalb der Bevölkerung zusehends zeigen Wirkung (mehr hier).

IOM: Allein 1000 Migranten gehen Anfang 2013

Seit 2009, so berichtet das Blatt, hätten sich 18,183 illegale Migranten an die IOM gewandt und darum gebeten, Hilfe bei ihrer Rückkehr nach Hause zu erhalten. Mittlerweile sei dieses auch 12,000 Personen gelungen. Doch die Entwicklung verlief zusehends rasanter: Waren es  2009 nur 1,097, stieg deren Zahl 201o bereits auf 3,276 an. Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres seien es schon 1,057 gewesen.

Die IOM ist in 180 Ländern aktiv. 75 Prozent werden von der EU finanziert. Nach Angaben von Daniel Esdras, Chef des Athener Büros, helfe man vor allem Migranten, die teils nicht einmal einen Ausweis oder andere Papiere bei sich hätten, wieder in ihre Heimat zurück zu kehren. Man kaufe ihnen jedoch nicht nur die Tickets, sondern statte sie auch mit 300 Euro Startkapital für ihr neues Leben aus. Viele dieser Leute seien enttäuscht über ihre jetzige Situation, so Esdras. Verdenken könne man ihnen das nicht. Sie seien getäuscht worden.

Arbeitslosigkeit größeres Problem als Rassismus

Das wird auch von Seiten der Illegalen bestätigt. Über schwierige Wege und nach der Zahlung immenser Summen haben sie es bis nach Griechenland geschafft. Doch hier könnten sie sich kaum über Wasser halten. Parteien wie Golden Dawn seien aber nicht ihr größtes Problem. Viel schwerer wiege die Arbeitslosigkeit und das Hangeln von Tagesjob zu Tagesjob. Das Geld, das sie für ihre Flucht ausgegeben hätten, haben sie in ihrer Zeit in Griechenland nicht wieder verdienen können. Nun bliebe nur noch der Weg zurück.

Auch Esdras sieht das so. Er macht ebenfalls in erster Linie die schwierigen wirtschaftlichen Bedinungen dafür verantwortlich, dass viele Illegale nun kapitulieren. „Viele von ihnen haben Katastrophen wie Kriege erlebt. Rassistische Organisationen wie Golden Dawn können sie nicht erschrecken. Was sie eigentlich dazu bewegt, sich dafür zu entscheiden, nach Hause zurückzukehren, ist die Tatsache, dass sie noch nicht einmal zu essen haben.“

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