Internationale Studie: Die meisten Muslime wollen die Scharia

Eine große Mehrheit in der muslimischen Welt wünscht sich offenbar die Scharia als offiziell geltendes Recht in ihrem jeweiligen Land. Uneins sind sich die Menschen allerdings darin, wie das Gesetz angewendet werden soll. Das ergab eine aktuelle Untersuchung des Pew Research Centers.

Eine Mehrheit der Muslime weltweit wollen die Scharia in ihren Ländern umgesetzt sehen. Wie sie angewendet werden soll, darüber sind sie sich allerdings nicht einig. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung des Pew Research Center. Die Studie mit dem Titel „The World’s Muslims: Religion, Politics and Society“ wurde am 30. April dieses Jahres veröffentlicht. Durchgeführt wurde sie in den Jahren 2008 bis 2012 unter 38,000 Menschen in 39 Ländern. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Derzeit gibt es weltweit etwa 2.2 Milliarden Muslime. Eine solide Mehrheit, vor allem in Asien, Afrika und im Nahen Osten, so berichtet das Blatt, würden sich demnach zu Gunsten der Scharia, dem traditionellen islamischen Recht, als „das Gesetz des Landes“ in ihren Heimatländern entscheiden. Die Unterstützung für die Scharia als offizielles nationales Recht beträgt in Tunesien rund 56 Prozent, 71 Prozent in Nigeria, 72 Prozent in Indonesien, 74 Prozent in Ägypten, und 99 Prozent in Afghanistan. Bereits im September 2012 kam bei einer Untersuchung heraus, dass die weltweite Intoleranz gegenüber Religionen zunehme (mehr hier).

Drakonische Strafen werden mehrheitlich abgelehnt

Im Gegensatz dazu stünden einige Länder, in denen Muslime zwar mehr als 90 Prozent der Bevölkerung ausmachen, von denen aber relativ wenige wollen, dass ihre Regierung zum islamischen Recht übergehe. In der Türkei etwa, würden zwölf Prozent der Menschen die Scharia als nationales Recht befürworten. Auch in Tadschikistan und Aserbaidschan lagen die Quoten bei 27 Prozent bzw. acht Prozent Unterstützung.

Princeton-Professorin Amaney Jamal, ein Sonderberater des in Washington ansässigen Pew Research Centers, stellte zudem heraus, dass es unter den Befragten kein gemeinsames Verständnis der Scharia gebe. „Die Scharia hat unterschiedliche Bedeutungen, Definitionen und wird unterschiedlich verstanden. Dies basiert auf den tatsächlichen Erfahrungen von Ländern mit oder ohne Scharia.“

Zudem zeigte die Studie auch, dass viele Muslime die Anwendung der Scharia in der privaten Sphäre der Familie oder im Falle von Eigentumsstreitigkeiten bevorzugten. In den meisten Ländern gebe es jedoch wenig Unterstützung für drakonische Strafen wie etwa das Amputieren der Hände von Dieben oder das Töten von Personen, die vom Islam zu einer anderen Religion konvertierten.

Muslime weltweit: Keine Gewalt im Namen des Islam

Beim Vergleich der muslimischen Haltung gegenüber der Scharia als offizielles Gesetz und seiner Anwendung im häuslichen Leben, zeigte die Studie, dass drei Länder besonders aufschlussreich sind: Die Türkei, der Libanon und Tunesien. Verwiesen wird auf die türkischen Gesetzesreformen des frühen 20. Jahrhunderts, die in eine säkulare Verfassung mündeten. Als Teil dieser Änderungen wurden Scharia-Gerichte in den 1920er Jahren beseitigt. Heute, würde nur noch eine Minderheit der türkischen Muslime die Scharia als offizielles Gesetz (12 Prozent) wünschen oder religiöse Richter bei Familien- und Eigentumstreitigkeiten entscheiden lassen (14 Prozent).

Insgesamt zeigte die Untersuchung, dass Muslime Gewalt im Namen des Islams strikt ablehnen. Gezielt nach Selbstmordanschlägen befragt, antwortete eine klare Mehrheit in den meisten Ländern, dass solche Taten selten oder nie als Mittel zur Verteidigung des Islams vor seinen Feinden gerechtfertigt seien. In den Vereinigten Staaten gaben 81 Prozent der Muslime an, dass solche Gewalt „nie“ gerechtfertigt sei. Hier gehören Muslime zu den unbeliebtesten Minderheiten (mehr hier). Der globale Mittelwert lag bei 73 Prozent. Allerdings gewann Gewalt 40 Prozent an Unterstützung in den palästinensischen Gebieten, 39 Prozent in Afghanistan, 29 Prozent in Ägypten und 26 Prozent in Bangladesch. 78 Prozent der Muslime in der Türkei sagten Selbstmordanschläge seien nie gerechtfertigt, während 15 Prozent das Gegenteil angaben.

Hier geht es zum vollständigen Bericht.

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