„Aga Khan Award of Architecture“: Islamischer Friedhof in Österreich nominiert

Eine Million Dollar, umgerechnet rund 765.000 Euro, diese Summe könnte dem islamischen Friedhof in Altach, im Bezirk Feldkirch, winken. Die 2012 eröffnete Einrichtung in Österreich wurde jetzt für den so genannten „Aga Khan Award of Architecture“ nominiert.

Derzeit, so berichten die Salzburger Nachrichten, befänden sich insgesamt 20 Projekte auf der Shortlist für den „Aga Khan Award of Architecture“. Eines davon ist die vom Dornbirner Architekturbüro Bernardo Bader entwickelte islamische Begräbnisstätte in Altkirch, die 2012 ihrer Bestimmung übergeben wurde. Dotiert ist die Auszeichnung mit einer Million Dollar, umgerechnet 764.993,88 Euro.

Der Preis selbst, so informiert das Blatt, bestehe bereits seit 1977. Von einer Expertengruppe in Betracht gezogen würden Projekte auf der ganzen Welt, „die von Muslimen gestaltet wurden oder von Muslimen genutzt werden“, und die dabei nicht nur architektonisch außergewöhnlich seien, sondern auch die allgemeine Lebensqualität verbessern würden. Im September 2013 werde eine Fachjury fünf bis sechs Finalisten bekannt geben.

Derzeit mehr als acht Prozent Muslime in Vorarlberg

Der islamische Friedhof in Österreich steht derzeit in Konkurrenz mit Schulen in Afghanistan, Syrien oder auch Ruanda. Auch Projekte aus Südafrika, China, Indien, dem Iran und aus dem Sudan sind in der Shortlist zu finden. Die Spannweite reiche dabei vom modernen Appartementhochaus bis zur Wiederbelebung traditioneller Bautechniken, heißt es von Seiten der Organisatoren.

In Vorarlberg sind derzeit mehr als acht Prozent der Bevölkerung Muslime. Die islamische Begräbnisstätte in Altach ist ein Friedhof für Angehörige des Islams, die zum Zeitpunkt ihres Ablebens ihren Hauptwohnsitz im Bundesland Vorarlberg haben. Errichtet wurde die Anlage mit 8000 m2 nach den Regeln der islamischen Religion und hat Platz für etwa 700 Gräber. Vorhanden sind ein Aufbahrungsraum, ein Waschraum für die rituelle Waschung, ein überdachter Bereich für die Verabschiedung der Toten und ein Gebetsraum. Es gibt die Möglichkeit die Toten in Einzel- oder Doppelgräbern zu bestatten. Auch Verabschiedungen vor einer Überführung sind möglich.

Islamischer Friedhof mit „integrativer“ Konzeption

Zu ihrem „integrativen“ Konzeption erklärt das Architekturbüro selbst: „Die Gestaltung eines Friedhofs orientiert sich an der Glaubensrichtung und ihrer Bestattungsriten, die ihrerseits viel über das jeweilige Naturverständnis und die gesellschaftlichen Verhältnisse aussagen. Dieser Umstand soll sich auch deutlich am neuen Friedhofsprojekt für Muslime in Vorarlberg zeigen.“ Unabhängig von der konfessionellen Ausrichtung, sei den beiden Formen der christlichen und der muslimischen Bestattungsstätte gemeinsam, dass der Friedhof der erste Garten gewesen wäre. Als eigentlicher Urgarten zeichne er sich durch die Kultivierung seiner Erde und durch seine klar definierte Fläche aus. Beim Anlegen eines Gartens werde erstmals ein Stück Land eingegrenzt und gegen die Wildnis deutlich abgegrenzt.

„Ziel des Entwurfes ist ein sehr offenes und übersichtlich gestaltetes Gesamtkonzept“, heißt es hierzu weiter. Ein zartes Geflecht aus Mauerscheiben in unterschiedlichen Höhen fasse die Gräberbereiche und den baulichen Anlagenteil. Die ’fingerförmig’ angelegten Grabfelder ermöglichten zudem eine etappenweise Realisierung und würden die Anlage mit dem unberührten auenartigen Landschaftsraum verzahnen.

Mehr zum Thema:

Gleiche Rechte auch im Tod: Nicht-Muslime fordern Ende der Diskriminierung bei der Bestattung
Pew Research Center: Intoleranz auf Grund der Religion nimmt zu
Hansestädte haben die Nase vorn bei Verhandlungen mit Muslimen


Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.