Unbeeindruckt von Fukushima: Japaner bauen zweites türkisches AKW

Schon am vergangenen Dienstag hatte es der türkische Premier Erdoğan durchblicken lassen. Jetzt ist es gewiss: Eine japanisch-französische Allianz, bestehend aus Mitsubishi Heavy Industries Ltd und der französischen Firma Areva, wird den Bau des zweiten türkischen Kernkraftwerks stemmen.

In der japanischen Zeitung Nikkei erklärte der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan bereits am vergangenen Dienstag, dass die japanisch-französische Verbindung den Zuschlag für den Bau des zweiten türkischen Kernkraftwerks erhalten werden.

Am vergangenen Donnerstag dann die Bestätigung durch Energieminister Taner Yıldız in Ankara. Ein japanisch-französisches Konsortium, angeführt von Mitsubishi Heavy Industries, Ltd, werde das Mammuth-Projekt bei Sinop am Schwarzen Meer ausführen. Entsprechende Vermutungen gab es bereits Anfang April (mehr hier).

Nach Angaben von Yıldız, so berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, würden Erdoğan und der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe eine entsprechende Vereinbarung über das 21 Milliarden-Dollar-Projekt noch an diesem Freitag während einer Visite von Abe in der Türkei unterzeichnen. Das neue AKW, so heißt es weiter, habe eine Kapazität von 4.500 bis 5.000 Megawatt (MW).

Folgen von Fukushima schon jetzt spürbar

Unheikel ist die jetzige Konstellation gerade in Anbetracht der Ereignisse in Fukushima im Jahr 2011 allerdings nicht. Der Reaktorunfall vor zwei Jahren hat mittlerweile zu einer höheren Kindersterblichkeit und mehr Schilddrüsenerkrankungen geführt. Einige Wissenschaftler rechnen in den folgenden Jahren sogar mit bis zu etwa 41.000 Krebserkrankungen. In der Türkei wird Mitsubishi Heavy Industries nun mit der Itochu Corporation und dem französischen Energiekonzern GDF Suez zusammenarbeiten, der das AKW später betreiben sollen. Die Gruppe hat sich nun verpflichtet, ein AKW vom Typ Atmea zu errichten, diese wurden von Areva gemeinsam mit dem japanischen Mitsubishi-Konzern entwickelt.

Das japanisch-französische Konsortium unterhält seit Mitte vergangenen Jahres Gespräche mit Ankara.Damals mit im Rennen: Kanada, Süd-Korea und China. Zudem stiegen zwei französische Unternehmen in den Bieterring. Im Zuge der Streitigkeiten rund um die französische Gesetzgebung, die es illegal machte, zu leugnen, dass die Massentötung von Armeniern durch Türken vor einem Jahrhundert ein Völkermord gewesen war, wurden diese Angebote jedoch abgelehnt.

Unterdessen sollen die Bauarbeiten am ersten AKW der Türkei in der südlichen Provinz Mersin im Jahr 2015 beginnen. Der russische Energiekonzern Rosatom hat geschätzt, dass das Projekt im Jahr 2019 abgeschlossen sein wird.

Gegner sorgen sich um Atommüll und unsichere Lage

Beide AKWs haben zu bitterer und anhaltender Kritik von Umweltgruppen in der Türkei sowie eine breite Palette von Analysten geführt. Diese warnen davor, dass  das AKW in Akkuyu auf seismisch instabilen Land gebaut werde. Umweltschützer bringen zudem immer wieder die Frage auf, wo die Türkei eigentlich ihren Atommüll lagern wolle. Offiziell heißt es, diese würden nach Russland verbracht. Bereits Anfang 2012 appellierte Greenpeace an die Türkei doch lieber auf Solar- und Windkraft zu setzen (mehr hier). Rufe, die auch aus Deutschland laut wurden (mehr hier).

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