Gleichberechtigung an der Uni: Türkische Hochschulen sind ganz vorne

Wie aus einer aktuellen Analyse hervorgeht, stellen Frauen 47,5 Prozent der Akademiker an den fünf Top-Universitäten in der Türkei. Dieser Wert kommt fast einer ausgeglichenen Geschlechterverteilung gleich. Erreicht wird dieser nicht einmal in Ländern wie Schweden oder Großbritannien.

Durchgeführt wurde die Analyse von Thomson Reuters in Zusammenarbeit mit Times Higher Education (THE), einer wöchentlichen Zeitschrift aus London, die sich in Sachen Berichterstattung auf Nachrichten und andere Fragen im Zusammenhang mit Hochschulbildung spezialisiert hat. Das berichtet die türkische Zeitung Zaman.

Reuters habe demnach einen Global Gender Index, unter Verwendung von Daten des  so genannten „THE“, dem World University Ranking 2012-13, erstellt. Die Studie zeige nun auf, dass die unsichtbare Barriere für Akademikerinnen und die Ungleichheit der Geschlechter auch in einigen der weltweit fortschrittlichsten Länder wie Schweden, Norwegen und Dänemark nach wie vor existent sei.

USA, Schweden und Co. erreichen niedrigere Werte

Die Türkei führt die Gleichstellungsliste mit 47,5 Prozent der Akademikerinnen an den fünf besten Universitäten des Landes an. Den Gegenpol hierzu stellt Japan. Hier sind nur 12,7 Prozent der Akademikerinnen des Landes an den besten Universitäten. Auf Japan folgt Taiwan, wo Frauen nur 21,3 Prozent der Akademiker an den landesweit führenden sieben Universitäten stellen. Etwas besser sieht die Lage in Großbritannien mit 34,6 Prozent aus. In den USA sei ebenfalls nur 35,9 Prozent des akademischen Personals weiblich. Ähnlich liegen die Werte in anderen westlichen Ländern: 36,7 Prozent in Schweden, 31,7 Prozent in Norwegen und 31 Prozent in Dänemark. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass die Lücke selbst in den weltweit am weitesten entwickelten Ländern noch immens ist. Einen massiven Rückschritt erlebte der Iran bereits 2012 (mehr hier).

Warum der Frauenanteil ausgerechnet an türkischen Universitäten derart hoch ist, versucht Gülsün Sağlamer, einstige Direktorin der Technischen Universität Istanbul mit einer Mixtur aus historischen und kulturellen Gründen zu erklären. Sie sieht den Grundstein hierfür in den Gründungstagen der Türkischen Republik, die Frauen die gleichen Rechte für eine Beschäftigung an den Hochschulen sowie im öffentlichen Dienst zugestand. Zudem gab es besondere Anstrengungen, weibliche Studenten an die Unis zu ziehen. In den Folge-Generationen seien Frauen nun in genau diesem Bewusstsein erzogen worden. Frauen, so das Credo, sind den Männern nicht unterlegen und können in jedem Bereich erfolgreich studieren.

Arbeitsumfeld erleichtert Frauen den Wiedereinstieg

Zudem könnten Frauen heute sehr leicht nach der Geburt eines Kindes wieder in den Job wechseln. Viele Hochschulen würden Kindergärten, Grundschulen und weiterführende Schulen auf ihrem Campus anbieten. Darüber hinaus würden flexible Arbeitszeiten Akademikerinnen helfen, ihre Karriere zu organisieren. Dennoch gibt es noch viel zu tun (mehr hier).

Mehr zum Thema:

Anmeldung: Neuer deutsch-türkischer Studiengang an der Uni Bochum
Bildung, Beruf, Ehe: Istanbul ist die frauenfreundlichste Stadt der Türkei
Mehr Frauen im Job: Familienministerin Şahin fordert flexiblere Arbeitszeiten



Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.