Pressefreiheit in der Türkei: Mehr Journalisten im Gefängnis als in China

In der Türkei agiert die Presse alles andere als frei, erklärt der Journalist Ragip Duran. Noch immer sind hunderte seiner Kollegen im Gefängnis, weil sie als Terroristen bezeichnet werden. Dabei haben diese nur journalistisch recherchiert.

Der Wirtschaftsaufschwung in der Türkei hat das Land unter die am schnellsten wachsenden der Welt gebracht. Ganz im Gegensatz dazu steht allerdings die Situation der Pressefreiheit. Mehr Journalisten als in China oder im Iran sitzen in der Türkei im Gefängnis (mehr hier). Die Regierung-Erdogan, die Europa hätte zeigen können, wie modern der Islam eigentlich ist, hat ihre Chance vertan.

Um die Pressefreiheit in der Türkei habe es jedoch noch nie gut gestanden, erklärt der türkische Journalist Ragip Duran der Deutschen Welle im Interview. In der Vergangenheit, vor 20 bis 30 Jahren, seien Journaisten getötet worden, Redaktionen angegeriffen worden. Das Militär habe jede Art der Repression eingesetzt, Zensur gehörte dazu.

„Während wir in der Vergangenheit die Gräber unserer Kollegen besucht haben, müssen wir sie jetzt im Gefängnis oder ihre Prozesse vor Gericht besuchen“, erklärt der ehemalige BBC- und AFP-Korrespondent. Schon allein journalistische Recherchemethoden könnten den Vorwurf der Mitgliedschaft in einer geheimen Organisation und damit des Terrorismus hervorbringen.

Vor allem Selbstzensur und Druck auf die Medien sei nun alltäglich. Viele Journalisten verbringen schon Jahre in Haft, ohne je angeklagt worden zu sein. „Die Regierung tut das, was das Militär gewohnt war zu tun“, so Duran weiter. Er sieht die Lage mehr als problematisch: „Man wird als guter Journalist angesehen, wenn man die Regierung lobt. Wenn man aber die Regierungspolitik im Namen der Öffentlichkeit kritisiert, dann ist man in Schwierigkeiten“.

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