NSU-Morde: Türkischer Menschenrechts-Vertreter fordert Maßnahmen gegen Rechts

Ayhan Sefer Üstün, Vorsitzender der Menschenrechtskommission des türkischen Parlaments, fordert von Deutschland präventive Maßnahmen gegen Rechts. Das sei die Lehre aus den NSU-Morden. Zudem müsse Deutschland die deutsch-türkische Minderheit endlich als Teil der Gesellschaft akzeptieren.

Der Vorsitzende der Parlamentarischen Untersuchungskommission für Menschenrechte der Türkei, Ayhan Sefer Üstün, hat im Gespräch mit der Zeitung Zaman gesagt, dass es im vergangenen Jahr in Deutschland „67 ernstzunehmende rassistische Vorfälle“ gegeben habe. Diese reichten von Brandstiftungen bis zu gefährlichen Körperverletzungen.

Das Rassismusproblem in Deutschland und in den europäischen Staaten, sei nicht zu unterschätzen. „Wenn an dieser Stelle nicht präventiv eingegriffen wird, dann befürchte ich ein Umgreifen des Rassismus in Deutschland, Europa und dann sogar irgendwann in der Türkei“, so Üstün.

Maßnahmen gegen Rechts seien in erster Linie im nationalen Interesse Deutschlands. aber damit sei es nicht getan. Viel wichtiger sei die Anerkennung der gesellschaftlichen Realität in Deutschland. Die deutsche Politik und Gesellschaft müsse endlich anerkennen, dass 3,5 Millionen Angehörige einer Minderheit, Deutschland als ihre Heimat ausgewählt haben. Doch die Repräsentanz dieser Minderheit in den Medien, den Bildungseinrichtungen und im Arbeitsleben sei nicht gegeben. Ihnen werde das Leben in vielen Bereichen schwer gemacht.

Am Verhalten der Familienangehörigen der NSU-Opfer könne jeder sehen, wie sehr sich die Menschen mit Deutschland identifizieren. „Die Brüder, Ehemänner und Söhne dieser Menschen wurden ermordet. Doch sie haben dieses Land nicht verlassen. Sie haben sich nicht verjagen lassen“, sagt Üstün.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGB), Kenan Kolat, sagte im Gespräch mit der Mitteldeutschen Zeitung (MZ), dass jenseits des Prozesses eine „offene Rassismus-Debatte“ erforderlich sei. Zudem müsse die „Verquickung“ zwischen der NSU-Terrorzelle und dem Verfassungsschutz ans Tageslicht kommen.

Mehr zum Thema:

Skandal: NSU-Opfer von Polizei als „Schmarotzer“ bezeichnet
Bericht über NSU-Prozess: ZDF heute-Journal greift in die Trickkiste
NSU-Prozess: Diese türkischen Medien sind mit dabei

 

 

 

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.