Karriere in der Türkei: Unternehmen setzen jetzt auf heimische Führungskräfte

Das rasante türkische Wirtschaftswachstum hat offenbar auch zu einem Umdenken in den Führungsetagen geführt. Mittlerweile versucht das Land seine Fachkräfte nicht nur in der Heimat zu halten, sondern diese auch auf entsprechende Top-Positionen zu setzen. Vor zehn Jahren sah das noch ganz anders aus.

„Vor zehn Jahren suchten ausländische Unternehmen türkische Führungskräfte, während türkische Unternehmen wiederum ausländische Kandidaten suchten“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet, George Cross, Präsident des weltweit agierenden Executive Search Unternehmens Stanton Chase London. „Heute“, so der Fachmann, „wollen türkische Unternehmen auch türkische Profis mit globaler Expertise einsetzen.“

Diese bilaterale Nachfrage, so Cross, resultiere aus der Tatsache, dass die rasant wachsende türkische Wirtschaft eine ebenso große Nachfrage nach entsprechend starken Top-Leuten nach sich gezogen habe. Die aktuelle Entwicklung sei demnach etwa mit der in Indien zu verlgeichen. Mittlerweile kämen die begabten Fachleute in ihre Heimat zurück oder aber würden einen Wechsel ins Ausland gar nicht mehr in Betracht ziehen.

Deutschland soll Fachkräfte in die Türkei schicken

Auch die türkische Regierung hat diesen Trend mittlerweile erkannt. Erst Anfang April dieses Jahres ließ der türkische Wirtschaftsminister Nihat Ergün bei einer Veranstaltung des Wirtschafts-Rats in Berlin durchblicken, dass die Türkei keine Fachkräfte mehr nach Deutschland schicken wolle. An einem neuen Anwerbeabkommen hege das Land kein Interesse. Vielmehr hätte man nichts dagegen, mehr deutsche Fachkräfte in der Türkei begrüßen zu dürfen (mehr hier). Sein Appell ist jedoch nicht neu. Bereits im Sommer 2012 rief er türkische Wissenschaftler und qualifizierte Fachkräfte, die derzeit im Ausland leben, dazu auf, wieder in ihre Heimat zurückzukehren.

Insgesamt braucht die Türkei derzeit mehr akademischen Nachwuchs. Ein Problem, welches vom Wissenschafts- und Technologieforschungsrat der Türkei (TÜBITAK) derzeit massiv angegangen wird. Das Land stelltmittlerweile das 60-fache seiner Ressourcen für Forschung und Entwicklung zur Verfügung. Darüber hinaus, so  TÜBİTAK-Präsident Yücel Altunbaşak bereits im Sommer 2012, sei die Zahl der türkischen Wissenschaftler in den letzten zehn Jahren von 20.000 auf 64.000 angewachsen. Doch obgleich das eine sehr schöne Zahl sei, sei sie keineswegs ausreichend. Ganz im Gegenteil sei sie nicht das Ziel, das man sich erhofft habe. „Die Türkei braucht 250,000 Forscher“, macht Altunbaşak den anhaltenden Mangel deutlich (mehr hier). So wurden erst kürzlich die monetären Anreize für wissenschaftliche Veröffentlichungen um den Faktor vier erhöht.

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