„Turkish Beliebers“: Türkische Fankultur erblüht in rasanter Geschwindigkeit

In der vergangenen Woche haben türkische Teenager eindrucksvoll gezeigt, wie lautstark sie ihren Starkult ausleben können. Erstmals war US-Star Justin Bieber in Istanbul zu Gast und rund 30.000 Fans feierten ihn, als gäbe es kein Morgen mehr. Im Westen ist dieses Phänomen seit Jahrzehnten bekannt. In der Türkei ist es jedoch noch relativ jung.

Seine „Belieber“ tummeln sich auf der ganzen Welt. Sie bilden eine eingeschworene Gemeinde, die ihren Star geradezu bedingungslos vereehrt. Die Anhänger des kanadischen Sängers Justin Bieber, so scheint es, würden für ihr Idol alles geben. Sie stürmen Hotels, fallen reihenweise in Ohnmacht und stellen auch sonst nicht wenige verrückte Dinge an, mit denen sie ihr Idol zu beeindrucken versuchen. Sie alle sind im „Bieber Fever“.

„Bieber Fever“: Mit Haut und Haaren für ihr Idol

Die Facetten, die dieses Phänomen bereithält, sind weit. Reichen sie doch von harmloser Verliebtheit bis hin zu ausgeprägtem Fanatismus, der nicht selten gefährliche Ausmaße annimmt. Da werde schon mal die Mutter des Weltstars zu Boden geworfen, ihm selbst eine Wasserflasche ins Gesicht geschüttet, während er auf der Bühne steht, oder gar Todesdrohungen an jene verschickt, die ihm vermeintlich nicht so wohl gesonnen sind bzw. ihn vielleicht in irgendeiner Sache übertrumpfen konnten. Erinnert sei hier etwa an die US-amerikanische Jazzmusikerin und Grammy-Preisträgerin Esperanza Spalding.

In der Türkei, so berichtet derzeit die Zeitung Hürriyet, habe sich mittlerweile eine eigene Gruppierung, die so genannten „Turkish Beliebers“ etabliert. In ihrem Verhalten, so das Blatt, stünden sie aber ihren internationalen Kompagnons in nichts nach. Siehe in der vergangenen Woche: Schon am Flughafen sei Justin Bieber von kreischenden Fans empfangen worden (mehr hier). Und auch am Hotel hätten sie ihrem Idol aufgelauert.

„Turkish Beliebers“ geben alles für Justin Bieber

Zum ersten Mal in Erscheinung getreten seien die „Turkish Beliebers“ bei dieser Gelegenheit allerdings nicht. Bereits vor gut einem Jahr hätten sie eine Kampagne in den Sozialen Medien gestartet, um ihren Mädchenschwarm in die Türkei zu holen. Auch auf dem Istanbuler Taksim-Platz hätten sie sich mit Bannern und Plakaten versammelt und sich lautstark für ein Bieber-Konzert in der Türkei stark gemacht.

Auch Bieber reagierte auf die Rufe seiner türkischen Fangemeinde. Über Twitter ließ er sie wissen: „I love you Turkish Beliebers.“ Ganze 31.000 Retweets folgten. Und schon damals schien klar, einem Türkei-Konzert von Justin Bieber steht fast nichts mehr im Wege. Als dieses dann im Februar angekündigt wurde, dauerte es nicht lange und der Gig war restlos ausverkauft.

In der vergangenen Woche wurde dieser Traum nun endlich wahr (mehr hier) und auch hier zeigte sich das „Bieber Fever“ in seiner vollen Ausprägung. Die Begeisterung war so groß, dass der junge Künstler ob der vielen Geschenke, die auf die Bühne flogen, diese sogar kurzzeitig verlassen musste und sich weigerte die Show fortzusetzen, bevor sich die Massen nicht wieder beruhigt hätten.

Die 1990er Jahre – Starkult in der Türkei

Für westliche Länder ist solch ein fanatisches Verhalten nicht neu. Man erinnere sich nur an Szenen rund um die Beatles oder gar Elvis. Für die Türkei, so die Hürriyet, hingegen schon. Hierzulande sei es noch gar nicht so lange her, dass Musik nur zuhause bzw. gelegentlich in den Nachtclubs gehört wurde. Fankult, der fand vor allem in den heimischen vier Wänden statt. Poster an den Wänden, das sei schon Ausdruck höchster Verehrung gewesen. Erst Anfang der 1990er Jahre habe sich das verändert. Die Türkei durchlebte in dieser Zeit drastische kulturelle Veränderungen. Die Politik durchlief einen Liberalisierungsprozess, die Menschen nahmen mehr und mehr einen westlichen Lebensstil an. Musiksender waren plötzlich auch ein Medium für türkische Künstler wie Sezen Aksu oder Nilüfer. Und neue Popstars kamen nach oben.

Die 1990er Jahre waren das Jahrzehnt, in der eine organisiertere, kühnere und sexuell aufgeladenere Fankultur ihren Einzug in die Popkultur der Türkei gehalten hat. Zum ersten Mal fanden Konzerte in den Stadien statt und hiesige Popstars errangen Starkult weit über ihre türkische Heimat hinaus. So zum Beispiel Tarkan. Mit seinem stets weit geöffnetem Hemd und seinen kreisenden Hüften avancierte er schnell zu einem türkischen Objekt der Begierde – sowohl für Frauen als auch für Männer. Szenen, wie Justin Bieber heute, erlebte er schon in den 1990er Jahren. So erzählte er einmal in einem Interview:  „Eines Abends kniete ich auf der Bühne und sang eine Ballade. Plötzlich sah ich, wie ein BH auf die Bühne flog, dann zwei, dann drei. Schnell war diese voll davon in allen erdenklichen Formen und Farben. Rot, weiß, schwarz … Ich konnte es nicht glauben. Ich habe das auch nicht ernst genommen und das Publikum gefragt, ob ich noch mehr haben könnte.“

Tarkan und Co. – türkische Girls flirten mit den Stars

Tarkan war jedoch nur der Anfang. Er ebnete den Weg für Dutzende Popstars, die in den folgenden Jahren mit ihren und den Reizen des vorwiegend weiblichen Publikums spielten. Murat Boz wie Herzklopfen, Sinan Akçıl oder Keremcem – sie alle haben ein anderes Verständnis von türkischen Frauen. Und diese auch von sich selbst. Die Nachrichten, die sie ihren Stars schicken, seien gespickt von sexuellen Anspielungen. Für Konservative wahrscheinlich kaum vorstellbar, dass diese Mädchen tatsächlich aus der Türkei kommen.

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