Unverhältnismäßig: Türkische Polizei geht mit Tränengas auf junge Fußballer los

Erneut ist in der Türkei ein Fall von massiver Polizeigewalt bekannt geworden. Diesmal betroffen: Jugendliche Fußballspieler, die während eines Matches innerhalb der türkischen U-14 Meisterschaft aneinandergeraten waren. Gegen die Teenager wurde mit Tränengas vorgegangen.

Wie die türkische Zeitung Hürriyet berichtet, sei es während eines Spiels im Rahmen der türkischen U14-Meisterschaft am 4. Mai zu einer Auseinandersetzung zwischen den 14-jährigen Buben und dem Schiedsrichter gekommen. In der Verlängerung erzielte Bursaspor ein drittes Tor, welches von İkitellispor jedoch beanstandet wurde.

Das Spiel endete damit, dass der Schiedsrichter zugunsten von Bursa Yolspor entschied und Bursaspor so schließlich auch den Gesamtsieg davon trug. Die Spieler der gegnerischen Mannschaft wollten sich damit aber nicht zufrieden geben und protestierten weiter. Insgesamt, so heißt es, hätten fünf Spieler die rote Karte gesehen, sich aber geweigert, das Spielfeld zu verlassen.

Club-Präsident verurteilt Polizeigewalt scharf

Am Ende schritt dann die Polizei in die Auseinandersetzung ein. Sie stürmte aufs Feld und setzte Tränengas ein, um die Streithähne auseinander zu treiben. Mittlerweile waren auch die Ersatzspieler sowie der Trainer von İkitellispor in das allgemeine Chaos involviert. So habe es auch eine Weile gedauert, bis die Teenager zur Behandlung in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht werden konnten.

Club-Präsident Abdülselam verurteilte das Verhalten der Polizeibeamten scharf. Man habe bereits Beschwerde eingereicht. Die Beamten seien auf das Feld marschiert und hätten Tränengas und Schlagstöcke gegen Kinder eingesetzt.

Gül: Gewalt nur nach Verhältnismäßigkeitsprinzip

Die türkische Polizei fällt immer wieder durch ihr rigides Vorgehen gegen Zivilisten auf (mehr hier). Erst im April hat sich auch Präsident Abdullah Gül öffentlich zu den umstrittenen Methoden der Beamten geäußert. In seiner Rede anlässlich des 168. Jubiläums der türkischen Polizei, warnte er, dass Beamte sich nicht provozieren lassen dürften. Insbesondere bei Demonstrationen sei Vorsicht angesagt. In diesem Sinne dürfe aber auch nur im Rahmen des Verhältnismäßigkeitsprinzips Gewalt angewendet werden (mehr hier).

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