Gewalt gegen Ärzte: Neuer Vorfall bringt türkische Mediziner auf die Barrikaden

Erst Mitte April dieses Jahres gedachten türkische Ärzte landesweit dem Schicksal des 26-jährigen Herz-Thorax-Chirurgen Ersin Arslan, der vom Enkelsohn eines Patienten erstochen wurde. Am vergangenen Dienstag gingen die Mediziner nun erneut auf die Straße. In der medizinischen Fakultät von Cerrahpaşa kam es zu einem Zwischenfall.

Die türkischen Ärzte haben endgültig genug. Nach den verheerenden Attacken auf Kollegen in der Vergangenheit und eingehenden Appellen an die türkische Regierung, die Sicherheit für Ärzte zu verbessern, gab es nun einen neuerlichen Zwischenfall in Istanbul. Auch diesmal, so berichtet die türkische Zeitung Hürriyet, wurde ein Mediziner von den Verwandten eines Patienten angegriffen. Grund genug für die Kollegen, am vergangenen Dienstag erneut auf die Straße zu gehen und die Regierung ein weiteres Mal zum Handeln aufzufordern. Gewalt gegen medizinisches Personal, das wollen sie nicht länger hinnehmen.

Angehörige sollen Arzt geschlagen haben

Doch was war passiert? Der betroffene Kollege konnte einen Ultraschall nicht durchführen, weil das Gerät zum Untersuchungszeitpunkt kaputt war. Als der Arzt das schließlich den Angehörigen mitteilte, reagierten diese überaus heftig. Nach Angaben der Ärzte sollen sie ihren Kollegen sogar geschlagen haben. Nun würde er unter Polizeischutz stehen.

Wie der Fakultätsdekan Dr. Özgün Enver mahnte, seien es genau solche Vorfälle, die das medizinische Personal traumatisieren würden. „Auf diese Weise können wir unsere medizinischen Aufgaben nicht ordnungsgemäß erfüllen.“ Ab den Morgenstunden würden Polizeibeamte an den Krankenhaustüren stehen. Doch sollte ein Krankenhaus tatsächlich immer unter Polizeischutz stehen?

Gewaltbekämpfung: Mehr als Ratschläge gibt es nicht

Der Weisheit letzter Schluss kann das in den Augen der Ärzte jedenfalls nicht sein. Die protestierenden Mediziner jedenfalls beschuldigen die Regierung, dass diese sich zu diesem Thema ausschweigen würde. Sie forderten die Beamten auf, endlich etwas gegen die Gewalt zu unternehmen. Ein eindringlicher Ruf, der nun seit über einem Jahr immer wieder ertönt (mehr hier). Doch mehr als ein Bericht der Parlamentarischen Kommission, der Empfehlungen enthält, wie Gewalt gegen Gesundheitspersonal verhindert werden könnte, gibt es bisher nicht.

Der 26-jährige Herz-Thorax-Chirurgen Ersin Arslan wurde am 17. April 2012 von einem 17-jährigen Teenager in seinem Büro überfallen und schwer verletzt. Der Chirurg erhielt sofort ärztliche Hilfe und wurde von seinen Kollegen in die Chirurgie gebracht. Kurz nach dem Attentat verstarb er jedoch (mehr hier). Der junge Mann wurde später mit einem Messer in der Toilette des Krankenhauses gefunden und der Polizei übergeben. Als Reaktion auf diesen Vorfall forderte die türkische Ärzte-Union (TTB) die Kollegen auf in den Streik zu treten (mehr hier). Mit Erfolg: Zahlreich folgten medizinische Fachkräfte dem Aufruf. Allein am Istanbuler Çapa Krankenhaus versammelten sich Tausende und liefen zunächst gemeinsam zum Cerrahpaşa Lehrkrankenhaus und später zum Beyazıt Platz.

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