Ankaras voreiliger Plan: Atomkraft soll über 7 Milliarden Dollar einsparen

Ankara plant durch den Bau von drei Atomreaktoren milliardenschwere Einsparungen im Bereich der Energieimporte. Derzeit ist die Türkei weitgehend abhängig von russischem- und iranischem Gas. Doch Nuklearenergie birgt die Gefahr schwerer Unfälle in sich.

Die wirschaftliche Hoffnungen der Türkei liegen auf dem Bau von drei Atomkraftwerken. Dadurch könnte sich das Land aus der Importabhängigkeit von Erdgas aus Russland und dem Iran befreien. Es sind Einsparungen in Höhe von 7,2 Milliarden US-Dollar geplant. Sowohl der öffentliche Haushalt, als auch die privaten Haushalte, könnten von dem Energieprojekt der AKP-Regierung profitieren.

„Unsere Energienachfrage wird sich in den kommenden zehn Jahren verdoppeln. Derzeit beziehen wir 72 Prozent unserer Energie aus dem Ausland“, zitiert die Hürriyet den türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan. In der vergangenen Dekade hatte sich die türkische Energienachfrage von 130 Milliarden kWh (Kilowattstunde) auf 240 Milliarden kWh nahezu verdoppelt.

Doch alleine schon der Normalbetrieb von Atomkraftwerken birgt Gefahren in sich. In jedem Kraftwerk können schwere Stör- und Unfälle vorkommen. Insbesondere ein Ausfall der Kühlung im Zuge von nacheinander erfolgenden Störfälle, hätte katastrophale Folgen für Mensch und Umwelt. Terroranschläge – insbesondere in der Türkei – sind nie ausgeschlossen.

Darüber hinaus gestaltet sich die Lagerung von Atommüll in vielen Ländern sehr schwierig. In der Türkei besteht das Problem, dass das Umweltrecht nicht ausgeprägt ist und auch nur unzureichend umgesetzt wird. Dem Art. 279 des türkischen Strafgesetzbuches, kommt hier eine große Bedeutung zu.

Dort ist die Strafbarkeit von Amtsträgern (Behörden) geregelt. Die Behörden sind verpflichtet eine Umweltstraftat rechtzeitig anzuzeigen. Eine Unterlassung oder Verzögerung – ob vorsätzlich, oder fahrlässig – durch die Behörden ist strafbar.

Doch an der Umsetzung des Umweltrechts hapert es es schon jetzt. Der türkische Mediziner Dr. Yüksel Burgutoğlu sagt, dass ein Werk des Unternehmens „Kromsan“ in Mersin, seit 1984 durch Giftmüll nahezu die gesamte Küste den Boden und die Luft der Stadt „verseucht“ habe. Die Behörden kneifen seit 29 Jahren beide Augen zu. Jeder Dritte in Mersin, soll krebskrank sein. Jährlich sterben Tausende an den Folgen der akuten Umweltverschmutzung, so Burgutoğlu (mehr hier).

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