Jungfräulichkeitstest verweigert: Türkischem Arzt droht ein Jahr Gefängnis

Weil er sich weigerte, bei drei Mädchen im Alter zwischen zehn und 13 Jahren einen Jungfräulichkeitstest gegen deren Willen durchzuführen, droht einem türkischen Mediziner nun Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft von Edirne wirft ihm Pflichtverletzung vor. Das könnte dem Arzt bis zu einem Jahr Haft einbringen.

Konkret geht es in diesem Fall um drei Mädchen, die derzeit in einem Kinderheim untergebracht sind. Diese, so berichtet die türkische Zeitung Hürriyet, seien zur Untersuchung ins Universitätskrankenhaus von Edirne geschickt worden. Der Verdacht: Die Drei könnten sexuell missbraucht worden sein.

Der in dieser Nacht diensthabende Arzt Gürcan Altun habe die drei Mädchen dann eine nach der anderen befragt, ob sie denn wüssten, warum sie eigentlich im Krankenhaus seien und erläuterte die Schritte der jeweiligen ärztlichen Untersuchung. Als sich die Mädchen dann weigerten, diese durchführen zu lassen, habe Altun einen entsprechenden Bericht verfasst und diesen zurück ins Büro der Staatsanwaltschaft geschickt.

Arzt befürchtete Trauma seiner Patientinnen

Dort, so heißt es weiter, sei man jedoch der Ansicht, dass Altun die entsprechende Untersuchung auf jeden Fall hätte durchführen müssen. Sie beschuldigt den Mediziner der „Pflichtverletzung und des Missbrauchs einer rechtlichen Verpflichtung“ und fordert nun zwischen drei Monaten und einem Jahr Gefängnis.

Einfach so geschlagen geben will sich Altun allerdings nicht. In einer ersten Anhörung am vergangenen Donnerstag verteidigte er sein Vorgehen damit, dass sowohl die medizinische Ethik als auch die UN-Kinderrechtskonvention ihn daran gehindert hätten bei den Mädchen eine Untersuchung durchzuführen, die sie zuvor verweigert hätten. Solch ein Vorgehen, argumentierte der Arzt, könnte traumatische psychologische Auswirkungen auf den Patienten haben.

„Ich befragte jedes Kind, ob es denn wüsste, warum es hier wäre. Keines von ihnen wusste das“, zitiert die Hürriyet Altun. Dann habe er sie über die Untersuchung informiert, die die Staatsanwaltschaft angeordnet hätte. Mit jeder einzelnen hätte er gut eine halbe Stunde gesprochen, doch keine von ihnen habe die Prozedur am Ende zulassen wollen.

Mediziner erhält Rückendeckung durch die TTB

Rückendeckung bekommt der Arzt nun vom Vorsitzenden der Türkischen Medizinervereinigung (TTB) Özdemir. Seiner Ansicht nach sei der Vorwurf gegen den Kollegen absolut nicht gerechtfertigt: „Niemand kann dazu gezwungen werden, sich einer Untersuchung zu unterziehen. Ärzte können nichts ohne das Einverständnis der Patienten unternehmen. Daran hat unser Kollege die Juristen heute ein weiteres Mal erinnert.“ Immer wieder kommt es auch zu Gewalt gegen türkische Ärzte (mehr hier).

Einen ähnlichen Fall gab es in Edirne bereits 2010. Damals wurde ein Arzt ebenfalls angeklagt, nachdem er sich weigerte einen so genannten Jungfräulichkeitstest durchzuführen, nachdem sowohl die Patientin als auch die Familie dies abgelehnt hatten. Am Ende wurde er bereits nach der ersten Anhörung freigesprochen.

Mehr zum Thema:

Jahrestag des Arztmordes: Tausende türkische Mediziner streiken
Gesundheitsminister Müezzinoğlu: Türkei hat zweithöchste Patientenzufriedenheit der Welt
Wieder Attacke gegen türkischen Arzt: Mediziner hatte eigentlich gute Neuigkeiten

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.