Vorstoß in Saudi Arabien: 25-Jährige wird erste Anwältin des Landes

Für saudi-arabische Verhältnisse ist es eine kleine Sensation: Eine junge Frau ging unbeirrbar ihren Weg. Heute hat sie es geschafft. Sie ist die erste weibliche Anwältin in ganz Saudi Arabien. Noch muss sie durch das Referendariat. Doch schon jetzt gilt sie für eine ganze Generation als ausgemachte Hoffnungsträgerin.

Gerade einmal 25 Jahre ist Arwa Al-Hujaili alt. Doch schon jetzt hat sie viel geschafft. Sie ist die erste weibliche Anwältin in ganz Saudi Arabien. Drei Jahre lang dauerte ihr Kampf mit dem Justizministerium. Jetzt wurde sie endlich als Referendarin registriert. Eine absolute Premiere. Was dieser Schritt bedeutet, ist der jungen Frau absolut bewusst. „Die Leute sagen mir, ich sei eine Pionierin. Ich fühle, dass ich nun auch ihre Erwartungen erfüllen muss“, zitiert CNN Arwa Al-Hujaili. „Es ist eine große Verantwortung. Von nun an werden die Leute auf alles schauen, was ich tue.“

Al-Hujaili entschied sich während der Vorbereitung auf die Universität für eine juristische Laufbahn. 2010 machte sie ihren Abschluss an der König-Abd-al-Aziz-Universität in Dschidda und hoffte danach sofort als Anwältin praktizieren zu können. Doch ganz so einfach war es dann doch nicht. Ganze drei Jahre dümpelte die junge Frau im professionellen Niemandsland und konnte lediglich als juristische Beraterin tätig sein. Offziell als Rechtsanwältin anerkannt wurde sie nicht.

Juristinnen verlassen aus Frust Saudi Arabien

Mit diesem Schicksal, so heißt es weiter, war sie jedoch nicht allein. Weibliche Jura-Studentinnen gibt es in Saudi Arabien bereits seit 2005. Die ersten beendeten ihr Studium dann 2008. Als rechtmäßige Anwältinnen eingetragen wurden sie jedoch nicht. Viele von Al-Hujailis Studienkolleginnen hätten deshalb inzwischen das Land verlassen. Zu groß sei der Frust gewesen, in der Heimat nicht dem eigenen Beruf nachgehen zu können. Die junge Frau selbst wählte einen anderen Weg. Sie blieb hartnäckig und versuchte es immer und immer wieder. Unterstützung erhielt nicht nur sie derweil über das Soziale Netzwerke. Twitter-Kampagnen, YouTube-Videos und Initiativen wie zum Beispiel die Facebook-Gruppe „I am a lawyer“ setzten sich für ihr Recht auf Berufsausübung ein.

Im Oktober vergangenen Jahres dann der Durchbruch: Nachdem König Abdullah eine Petition mit 3.000 Unterschriften von einer Gruppe von weiblichen Juristen vorgelegt wurde, stimmte König Abdullah zu, dass Frauen künftig erlaubt sein würde, sich als Anwältinnen zu registrieren. Eine Nachricht, die im Justizministerium aber offensichtlich noch nicht angekommen war. Zur Hilfe kam schließlich Hanouf Al-Hazzaa, die selbst 2008 ihr Jura-Studium abschloss und die nun von den USA aus in einem entsprechenden Zeitungsartikel an den König appellierte, endlich einzuschreiten. Nur zwei Tage später kündigte das Justizministerium schließlich an, endlich mit der Entgegennahme von Anträgen zu beginnen und bald danach wurde auchAl-Hujailis Antrag stattgegeben.

Unter König Abdullah hatte sich bereits 2011 etwas getan. Damals hieß es, Frauen sollen bessere Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen erhalten. Auch ein Wahlrecht für die nächsten Kommunalwahlen, die einzigen Wahlen des Landes, wurde ihnen eingeräumt .Im Jahr 2015 soll es soweit sein (mehr hier).

Kampf um Anerkennung: Der Weg wird steinig

Jetzt arbeitet die 25-Jährige als Referendarin, um in zwei Jahren endlich die volle Qualifikation als Anwältin zu erlangen. Spezialisieren, so heißt es, wolle sie sich künftig auf Familienrecht, um so auch anderen saudischen Frauen eines Tages helfen zu können. Dass das nicht einfach sein wird, dessen ist sie sich bewusst. Für die Gesellschaft, so sagt sie, sei es etwas völlig Neues Anwältinnen zu akzeptieren. Auch für die Justiz werde es eine Herausforderung sein, mit Anwältinnen zu verkehren. Überkommen könnte man diese Vorbehalte jedoch nur, wenn man mit Kompetenz überzeuge. Auch saudische Olympioniken hatten einen steinigen Weg vor sich (mehr hier).

Dem stimmt auch Adam Coogle, Nahost-Forscher für Human Rights Watch, zu. Das Ganze bleibt trotz des aktuellen Erfolges eine Herausforderungen für Anwältinnen. „Saudische Richter haben eine Menge Spielraum, und können einen Anwalt von einem Fall entfernen. Sie könnten mit Richtern konfrontiert werden, die ihren Rechtsbeistand ablehnen oder ihr nicht erlauben zu sprechen, vor allem, wenn diese Richter konservativ sind und nicht wollen, dass Frauen überhaupt vor Gericht sprechen.“

Mehr zum Thema:

Saudischer Kleriker dreht durch: Er fordert Burka für Babys
Kampf um Gleichberechtigung: Arabische Frauen rufen virtuellen „Frühling“ aus
Schlag gegen die Frauen: Iran verbannt sie aus 77 Studiengängen

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.