Boston-Verdächtiger: Sprach er in Russland bereits vom Dschihad?

Tamerlan Zarnajew, der von den US-Behörden verdächtigt wird, gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder zwei Bomben während des traditionellen Boston-Marathons Mitte April gezündet zu haben, soll bereits während einer Reise nach Russland im vergangenen Jahr extreme Ansichten vertreten haben. Welche Rolle hierbei ein entfernter Cousin spielt, erscheint jedoch unklar.

Knapp einen Monat nach den verheerenden Bombenanschlägen von Boston haben sich nun Islamisten aus Russland zu Wort gemeldet, die sich über Tamerlan Zarnajews extreme Ansichten äußern. Diese, so heißt es, soll er bereits seit längerem gehegt haben. Wie die britische BBC an diesem Freitag berichtet, soll sein entfernter Cousin Magomed Kartashow angeblich Stunden damit verbracht haben, ihn zu überzeugen, kein Militanter zu werden. Die russische Anti-Terror-Polizei habe Kartashow, der gerade wegen einer Straftat im Gefängnis sitzt, bereits verhört.

Erst im vergangenen Jahr war der Tamerlan Zarnajew von den USA zu einem längeren Besuch nach Dagestan an der Grenzen zur russischen Republik Tschetschenien gereist. Nun sprachen Mitglieder einer islamistischen politischen Organisation in Dagestan, die so genannte Union der Gerechten, mit US-Reportern in Kizlyar über ihren Umgang mit ihm. In einem Interview mit der New York Times erklärte das Mitglied Zaur M. Zakarjajew, dass er bereits vor seiner Reise in die alte Heimat über den Dschihad nachgedacht habe. „Ich denke, weil er Tschetschene war, suchte er nach Wurzeln in seiner Heimat. Als er dann hier ankam, war er von den Bedingungen überrascht. Ich glaube, er hatte erwartet, hier einen richtigen Krieg vorzufinden, in dem Mensch gegen Mensch gekämpft wird.“ Ihm zufolge habe Kartashow, der die Union einst gegründet hat, Stunden damit zugebracht, ihn daran zu hindern, sich einer der militanten Zellen anzuschließen, die in der gesamten Region verstreut wären.

Zarnajew und sein Cousin: Wer zieht wen in welche Ecke?

„Magomed erklärte ihm ausführlich, dass gewalttätige Methoden nicht der richtige Weg sind“, so Zakarjajew, der noch einmal herausstellte, dass seine Organisation die Bombenanschläge nicht gut heiße. Durch seinen Anwalt ließ Kartashow darüber hinaus dem Time Magazine ausrichten, dass es eben Zarnajew gewesen sei, der ihn versucht habe in die extremistische Ecke zu ziehen und nicht umgekehrt.

Wie viel von diesen Aussagen zu halten ist, scheint unterdessen fraglich. Auch die BBC verweist in diesem Zusammenhang auf gegenteilige Aussagen aus den Reihen der „Union der Gerechten“. Demnach sei nämlich auch ein gewisser Bilyal Magomedov aufgetaucht, der die Anschläge vom 15. April sehr wohl gut heiße. Das ist jedoch nicht die einzige Ungereimtheit (mehr hier).

Bei der „Union der Gerechten“ handelt es sich um eine dschihadistische gewaltbereite Gruppierung, die 2011 von Kartashow ins Leben gerufen wurde. Ihre Anhänger kämpfen in Dagestan für die Einführung der Scharia und predigen den Pan-Islamismus.

Am vergangenen Donnerstag wurde Tamerlan Zarnajew nach heftigen Protesten in aller Stille beerdigt. Wo seine Grabstätte liegt, wurde nicht bekannt gegeben. Gegen seinen Bruder wurde bereits Ende April Anklage erhoben (mehr hier).

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