Brücken bauen: Universität in Hongkong buhlt um türkische Studenten

Nicht nur die Türkei versucht ihren akademischen Nachwuchs zu umwerben. Auch im fernen Asien ist man an ihnen interessiert. Erst vor kurzem unternahm eine Delegation der renommierten Hongkong University of Science and Technology (HKUST) eine Tour zu einer Reihe von türkischen Universitäten in Ankara und Istanbul. Das Ziel: Ausloten von Kooperationsmöglichkeiten und die Anwerbung türkischer Studenten.

Die Gruppe von der Hongkong University of Science and Technology (HKUST), so berichtet die türkische Zeitung Hürriyet, lud während ihrer Tour die Studenten aus der Türkei und der Region nach Asien und China, aber vor allem nach Hongkong ein. Der Grund: Bisher, so HKUST-Präsident Tony F. Chan im Gespräch mit dem Medium, hätten türkische und Universitäten in Hongkong keine gemeinsame Historie. Das solle sich nun ändern.

„Wir versuchen eine neue Beziehung mit der Türkei aufzubauen“, so Chan. Er denke dabei vor allem an Forschungskooperationen, Austauschprogramme für Studierende, aber auch an Aufbaustudiengänge. Bisher hätte seine Universität gerade einmal sieben türkische Studenten. Diese Zahl wolle man unbedingt erhöhen.

HKUST ganz vorne in einschlägigen Rankings

Die HKUST ist eine öffentliche Universität, die erst im Jahre 1991 gegründet wurde. Die Campus-Hochschule an der Küste der Clear Water Bay im Osten Hongkongs gelegen, besteht derzeit aus insgesamt fünf Fakultäten: Der School of Business and Management, School of Engineering, School of Science sowie der School of Humanities and Social Science. Eingeschrieben waren im Jahr 2011 rund 10.000 Studenten. Die Times Higher Education World University Rankings 2012–2013 platzieren die Universität auf Platz 33 in der Welt. Im Rahmen der Asian University Rankings 2012 wurde die HKUST gar als beste Universität Asiens bewertet. Pro akademischem Jahr werden 12.000 Euro Studiengebühren fällig, nicht so an den staatlichen Unis in der Türkei (mehr hier).

Auch Chan wirbt in der Türkei mit dem „guten akademischem System“ seiner Einrichtung. Insgesamt sei die Forschung als auch das Management sehr „amerikanisch“ ausgerichtet. Man sei sozusagen eine US-amerikanische Universität in China. Die Wissenschaftler seien vor allem aus den Vereinigten Staaten, einige auch aus den Commonwealth-Ländern.

Die chinesische Delegation sah sich nun an der Bilkent Universität sowie der Middle East Technical University oder kurz METU in Ankara, an der Technischen Uni von Istanbul, der Koç Universität, der Sabancı Universität und schließlich an der Kadir Has Universität um.

HKUST hat keine „historischen Altlasten“

Bereits in den vergangenen Jahren konnten die Unis in Hongkong eine deutliche Steigerung ihrer Zahl ausländischer Studenten verzeichnen. So sei die Zahl der Anmeldungen aus dem Ausland an der Hong Kong University of Science and Technology allein im Jahr 2012 um 55 Prozent gestiegen. Zu kämpfen hatte man jedoch nach wie vor mit dem negativen Image Chinas im Rest der Welt. Dabei liegt die Attraktivität Chans Ansicht nach auf der Hand. Die Wirtschaft wachse sehr schnell. Man sei bereits die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Shanghai werde zum Finanzzentrum, Hongkong sei es bereits. Florieren würde auch seine Universität: „Wir sind sehr dynamisch, und wir haben keine Altlasten.“

Die Chancen, dass die Hongkonger Delegation doch den ein oder anderen türkischen Studenten überzeugen könnte, stehen unterdessen nicht schlecht. Wie Zahlen der UNESCO aus dem September 2012 zeigen, studieren rund 100.000 türkische Studentinnen und Studenten Jahr für Jahr im Ausland. Und dafür würden sie auch ordentlich investieren: Denn für diesen Traum geben sie rund vier Milliarden US-Dollar aus. Die meisten von ihnen kommen aus Istanbul, Ankara und İzmir, also genau aus jenen Städten, die nun auch die Gruppe aus Asien im Visier hatte. Während ihres Auslandsaufenthaltes würden die jungen Leute vor allem Betriebswirtschaft, Marketing, Finanzen, Medizin und Ingenieurwissenschaften bevorzugen (mehr hier), alles Fachgebiete, die auch in Hongkong angeboten werden.

China schickt vor allem Studenten ins Ausland

Noch ist China weltweit führend hinsichtlich der Zahl ihrer Auslandsstudenten. Allerdings macht sich dort derzeit im Gegenzug auch auf, bis 2020 die Vereinigten Staaten in Bezug auf die Anzahl der ausländischen Studierenden, die das Land anzieht, zu überrunden. Bei den türkischen Studenten ist das allerdings noch nicht angekommen. Momentan zieht es die vor allem Großbritannien, danach folgen die USA und Deutschland.

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