Explosionen in türkisch-syrischer Grenzstadt fordern mehr als 40 Tote

Bei zwei Explosionen in einer türkischen Stadt nahe der syrischen Grenze wurden an diesem Samstagnachmittag über 40 Menschen getötet und mehr als 100 weitere verletzt. Noch ist unklar, wer hinter den Anschlägen steckt. Am Abend detonierte zudem ein Auto-Tank.

In der türkisch-syrischen Grenzortschaft Reyhanli in der Provinz Hatay haben sich der türkischen Zaman zufolge, zwei Explosionen ereignet. Nach Angaben von Innenminister Muammer Güler habe es sich dabei um Autobomben gehandelt, die gegen 13.55 Uhr Ortszeit (12.55 Uhr MESZ) in der Nähe des Rathauses und eines Postamtes detonierten. Zunächst war von vier Explosionen und vier Toten die Rede.

Minister fürchtet weitere Todesopfer

In ersten Berichten war von mindestens 18 Toten die Rede. Der Minister fürchte jedoch, dass die Anzahl der Todesopfer weiter ansteigen könnte. Im Laufe des Nachmittags erhöhte sich die Zahl dann auf über 40.

Wie Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoğlu mitteilte, seien bereits 15 Krankenwagen entsandt worden. Das Rathaus der 60.000-Einwohner-Stadt, nahe des der türkischen Grenzpostens Cilvegozu und des syrischen Übergangs Bab al-Hawa, soll schwer beschädigt worden sein.

Erst im vergangenen Februar waren bei einer Autobombenexplosion in Cilvegozu 17 Tote und 30 Verletzte zu beklagen (mehr hier). Im vergangenen Oktober wurden in Akcakale fünf türkische Zivilisten getötet (mehr hier).

Bewohner attackieren syrische Flüchtlinge

In einer ersten Stellungnahme nannte der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu, der sich gerade auf Deutschlandvisite befindet (mehr hier), den jüngsten Vorfall einen Akt der „Provokation“. Seiner Ansicht nach gebe es Kräfte, die den Frieden in der Türkei sabotieren wollten. Zugleich warnte er davor, die Türkei nicht zu provozieren.

Die türkischen Sicherheitskräfte würden alle nötigen Maßnahmen treffen. Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan vermutet einen Zusammenhang mit dem gerade laufenden Friedensprozess zwischen der türkischen Regierung und der Terrororganisation PKK. Bisher ist unklar, wer hinter den Anschlägen steckt.

In Folge der Explosionen an diesem Samstag, so heißt es weiter, seien einige Anwohner in Rage geraten. Sie sollen syrische Flüchtlinge angegriffen und Fahrzeuge mit syrischen Kennzeichen demoliert haben.

Ankara vermutet Verbindungen zum syrischen Regime

Stunden nach den ersten beiden Explosionen ist es dann zu einer dritten Detonation gekommen. Dabei soll es sich allerdings nicht um einen Anschlag gehandelt haben. Explodiert sei, so heißt es, ein Auto-Tank. Nach Angaben des Innenministers habe diese Explosion nichts mit den Anschlägen vom Mittag zu tun. Opferzahlen nannte er nicht.

Am Abend gab Güler an, dass die Täter offenbar Kontakte zum syrischen Regime und zum syrischen Geheimdienst hätten. Bestätigt worden seien die Verbindungen zu Mukhabarat, so berichtet die türkische Hürriyet, auch vom stellvertretenden Premier Beşir Atalay. Demnach würden die Angreifer aus der Türkei stammen. Die Ermittlungen seien weitestgehend abgeschlossen.

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