MHP-Abgeordneter hatte gewarnt: „Hatay sitzt auf einer tickenden Zeitbombe“

Der MHP-Abgeordnete Şefik Çirkin hatte die AKP-Regierung drei Tage vor den Anschlägen in Reyhanlı gewarnt. Er sagte, dass die Lage sehr angespannt sei und es zu Ereignissen ungeahnten Ausmaßes kommen könnte. Zudem forderte er Sicherheitsmaßnahmen. Seine Worte blieben ungehört. Jetzt wurden neun Verdächtige festgenommen.

Şefik Çirkin, türkischer Abgeordneter der nationalistischen MHP, sagte drei Tage vor den Anschlägen in der türkischen Region Hatay – Reyhanlı (mehr hier), dass die Region auf einer „tickenden Zeitbombe“ sitze. Die Lage zwischen den Einwohnern und den syrischen Flüchtlingen, sei äußerst angespannt. Zudem gebe es konfessionelle Spannungen zwischen den „syrischen Oppositionellen“ und den örtlichen Aleviten.

Çirkin forderte umfassende Sicherheitsmaßnahmen von der AKP-Regierung, doch seine Worte blieben ungehört. „In den vergangenen Tagen sind Unbekannte in das Haus von Ali Yeral eingedrungen. Sie haben eine schriftliche Morddrohung hinterlassen“, zitierte die Akşam den Politiker. Ali Yeral ist der örtliche Aleviten-Sprecher und genießt großes Ansehen bei den Christen, Juden und Muslimen von Hatay.

Den Angaben der Ehefrau von Yeral zufolge stand auf dem Schriftstück: „Wir werden dich verbrennen“. Zuvor hatte Yeral im Gespräch mit dem Fernsehsender Ulusal Kanal erwähnt, dass Mitglieder der Freien Syrischen Armee (FSA) und der dschihadistischen al-Nusra Organisation ihn bedrohen würden.

Doch der Hass der FSA-Mitglieder und der Anhänger von al-Nusra, richte sich auch gegen sunnitische und christliche Gemeindevertreter von Hatay. „Denn wir leben hier in Frieden miteinander. Das stört einige Kreise“, so Yeral.

In der türkisch syrischen Grenzstadt Reyhanlı ist es zuvor zu Ausschreitungen zwischen syrischen Flüchtlingen und türkischen Einwohnern gekommen. Ausgangspunkt der Unruhen war ein Streit zwischen einem Syrer und einem türkischen Restaurant-Besitzer, berichtete die Zeitung Posta.

Der Syrer hatte im Restaurant mit weiteren Landsleuten gespeist. Anschließend gab es Unstimmigkeiten bezüglich der Rechnung. Die Nachricht über den Streit verbreitete sich wie ein Lauffeuer und es kam zu Ausschreitungen zwischen den Einwohnern und den Syrern (mehr hier).

Der CHP-Abgeordnete Mehmet Şeker sagte nach den Anschlägen, dass die Bombenanschläge aussehen wie eine Provokation, um einen türkischen Militärschlag gegen Syrien zu erzwingen.

„In der Stadt Reyhanlı der Region Hatay leben nazehu keine Aleviten. Das Ganze soll aussehen, wie ein Anschlag der Assad-Regierung“, so Şeker im Gespräch mit dem Nachrichtenportal Gaziantephaberler.

An diesem Sonntag wurden nun im Zusammenhang mit den Bombenanschlägen neun Verdächtige festgenommen. Derzeit seien die Verdächtigen zu Verhören in Polizeigewahrsam, so der stellvertretende türkische Ministerpräsident Beşir Atalay bei einer Pressekonferenz. „Es gibt Geständnisse“, so der Politiker. Unter den Festgenommenen solle sich, so Innenminister Muammer Güler, auch der Kopf der Attentäter befinden. Es würden weitere Festnahmen erwartet.

Unterdessen konnten die Behörden 38 Opfer der Anschläge identifizieren. Drei von ihnen seien Syrer gewesen. Während die Türkei Syrien vorwirft, Drahtzieher hinter den Anschlägen zu sein, hat das Regime das an diesem Sonntag zurückgewiesen. Wie Informationsminister Omran al-Sohbi herausstellte, würden die eigenen Werte so etwas nicht erlauben. Vielmehr trage die türkische Regierung die Verantwortung. Sie habe es zugelassen, dass aus der Grenzregion ein Zentrum für den internationalen Terrorismus werde.

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