NSU-Opfer Anwalt: „Die Ermordung der Polizeibeamtin Kiesewetter ist ein großes Rätsel“

NSU-Kläger Mehmet Daimagüler spricht es aus. Die Ermordung der Polizistin Michele Kiesewetter beinhaltet eine Reihe von Ungereimtheiten. Das Muster entspreche nicht einem Mord aus Hass gegen den Staat. Vieles sei noch im Dunkeln. Auch der Patenonkel Kiesewetters möchte nicht reden. Doch er weiß scheinbar etwas, was der Öffentlichkeit bis heute verborgen geblieben ist.

Der Anwalt zweier Hinterbliebenen-Familien der NSU-Opfer, Mehmet Daimagüler, hat bei einem Vortrag in der Helmut-Schmidt-Universität gesagt, dass der Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter in der gesamten NSU-Affäre oftmals vernachlässigt worden sei.

Der Generalbundesanwaltschaft zufolge, soll das Mordmotiv der „Hass gegen den Staat“ gewesen sein. „Ich glaube auch, dass die NSU Demokratie hasst, aber ich glaube nicht, dass das ausreicht, um Frau Kiesewetter zu ermorden“, sagt Daimagüler.

Auffallend sei, dass Kiesewetter aus der gleichen Gegend, wie die Täter stammt. Die Täter seien routinemäßig vorgegangen. Sie seien mit einem gemieteten Wohnmobil in die Nähe des Tatorts gefahren, um anschließend mit Fahhrädern an den Tatort zu fahren, den Mord auszuführen und  – nach der Ringfahndung – mit dem Wohnmobil wieder wegzufahren.

„(…) woher wussten die denn, dass Frau Kiesewetter und ihr Kollege an diesem Tag, zu dieser Uhrzeit, auf diesem Parkplatz Pause machten und ihr Mittagsbrötchen aßen?“, so Daimagüler. Polizistenmörder fahren nicht  aus Hass-  so Daimagüler – Hunderte von Kilometern durch Deutschland, um die Tat zu begehen. Das passe auch nicht in das Muster anderer Polizistenmorde.

Eine weitere wichtige Ungereimheit sei auffällig. Eine Woche nach der Ermordung der Polizistin soll ihr Patenonkel – selber Staatschützer aus Thüringen –  in die Mordkommission nach Baden-Württemberg gekommen sein und gefragt haben:

„Könnte die Ermordung meiner Nichte etwas mit den Türken-Morden zu tun haben?“

Das sei sehr bemerkenswert, so Daimagüler. Kiesewetters Patenonkel soll auch zwei Begründungen angeführt haben. Erstens, weil die Täter Fahhräder benutzten und, weil es sich um dieselbe Tatwaffe, wie bei den anderen Morden handelte.

„Und da wird’s vollends seltsam, weil die Frau Kiesewetter und ihr Kollege wurden mit einer Waffe angeschossen, aber die Migrantenmorde waren alle mit der Ceska, das war nicht die gleiche Tatwaffe (…) Wusste er etwas, das wir nicht wissen“, sagt Daimagüler.

Es kämen noch weitere Probleme hinzu. Man stoße immer wieder auf rechtsradikale Elemente innerhalb der Sicherheitsbehörden, wie zum Beispiel die beiden Vorgesetzten von Kiesewetter, welche dem Ku-Klux-Klan angehörten.

Aber auch der Verfassungsschutz-Mann Andreas Temme galt aufgrund seines rechten Gedankenguts in seinem Bekanntenkreis als „kleiner Adolf“, berichtete die FAZ. Daimagüler kommt zum Fazit, dass es institutionellen Rassismus in Deutschland gebe. Den gelte es, zu bekämpfen.

Der gesamte NSU-Vortrag von Mehmet Daimagüler ist als Audiomitschnitt sowie als Transkript auf der folgenden Seite abzurufen: elalemelalem.wordpress.com.

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