Vertrauen in die russische Opposition? Die Bevölkerung wendet sich langsam ab

Die Russen verlieren das Vertrauen in die außerparlamentarische Opposition und ihre Führer. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage der Meinungsforscher vom unabhängigen Lewada-Zentrum. Spielten sie gerade im Vorfeld der letzten Wahlen noch eine entscheidende Rolle, gelingt es den Kreml-Gegner nun immer weniger die Massen zu mobilisieren. Ein Grund dafür wird unter anderem in der manipulativen Berichterstattung des Staatsfernsehens gesehen.

Das Lewada-Zentrum, eines der größten Meinungsforschungsagenturen Russlands, wollte wissen, wie es um die Gunst der russischen Opposition innerhalb der hiesigen Bevölkerung bestellt ist. In einer großangelegten Umfrage in 130 Städten und Gemeinden gingen sie bei ingesamt 1.601 Befragten aus 45 russischen Regionen der Frage nach, wer ihnen in den Reihen der russischen Opposition derzeit am vertrauenswürdigsten erscheine.  Das berichtet die Nachrichtenagentur RIA Novosti.

Angeboten wurden den Umfrageteilnehmern insgesamt elf Namen zur Auswahl.  Doch ganze 65 Prozent der Befragten gaben am Ende an, dass sie keinem von ihnen vertrauen würden. Das seien ganze acht Prozent mehr als noch im Jahr 2011.  20 Prozent erklärten wiederum, dass es ihnen schwer falle, zu antworten.

Gudkow und Kasparow sind die beliebtesten Oppositionellen

Doch wie haben sich die Teilnehmer am Ende entschieden? Eine wichtige Figur in der Anti-Kreml-Bewegung, der ehemalige Duma-Abgeordnete und ehemalige KGB-Oberst Gennadi Gudkow, und der ehemalige Schachweltmeister Garri Kasparow waren die beliebtesten Figuren auf der Liste. Beide erhielten unter den Befragten eine Unterstützung von drei Prozent.  Der Co-Vorsitzende der demokratischen Bewegung Solidarnost und einer der Urheber der Aktion Putin muss gehen, Ilja Walerjewitsch Jaschin, der russische Politiker und ehemaliger Duma-Abgeordneter, Wladimir Alexandrowitsch Ryschkow, sowie der Anwalt und Blogger Alexei Anatoljewitsch Nawalny kamen jeweils auf zwei Prozent.

Darüber hinaus fanden sich auch Boris Jefimowitsch Nemzow, ebenfalls einer der Führer der Solidarnost-Bewegung, der einstige Premier Michail Michailowitsch Kassjanow, der Schriftsteller Eduard Weniaminowitsch Limonow, der radikale Linke Sergei Stanislawowitsch Udalzow, sowie die Nationalisten Alexander Below und Dmitry Demushkin auf der Liste. Allesamt überzeugt sie nur ein Prozent oder weniger.

Noch im Dezember 2011 und März 2012 hatte Russlands Anti-Kreml-Opposition eine ganze Reihe von Massen-Protesten in Moskau und anderen Städten des Landes im Zuge der umstrittenen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen organisieren können. Doch während der Protest zunächst Tausende auf die Straßen zog und zu den größten Massenkundgebungen Russlands in den vergangenen 20 Jahren führte, hat die Opposition seither zu kämpfen, die Menschen in solchem Ausmaß zu mobilisieren.

Tendenziöse TV-Berichte kratzen am Image der Opposition

Überraschend sind die aktuellen Ergebnisse allerdings nicht. Eine derartige Entwicklung zeichnete sich bereits im Spätsommer 2012 ab. Damals ging das Umfrageinstitut WZIOM mit seinen Ergebnissen zum Thema an die Öffentlichkeit. Das Fazit zu jener Zeit: Der Bekanntheitsgrad der russischen Opposition in der Bevölkerung hatte zwar zugenommen. Zugleich stieg aber auch die negative Einstellung der Russen zu den einzelnen Oppositionsführern. Als Grund hierfür wurde nicht zuletzt die  Berichterstattung angegeben. So erläuterte der Direktor des Internationalen Instituts für politische Expertise Jewgeni Mintschenko im Gespräch mit Russland Aktuell, dass die WZIOM-Umfrage die Meinung eines zwar breiten, aber vorwiegend provinziellen Publikums widergebe. Und diese sei eben vom staatlichen Fernsehen geprägt.

Dass dieser Umstand nicht von der Hand zu weisen ist, bestätigt auch das Blatt: „Tatsächlich ist die Berichterstattung auf den großen TV-Sendern tendenziös: In politischen Talkshows herrscht ein unausgesprochenes Auftrittsverbot für die Oppositionsführer, die beim Staatsfernsehen nur als Verdächtige in den verschiedenen gegen sie eingeleiteten Strafverfahren über den Bildschirm flackern.“

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