Obama trifft Erdoğan: Kein Durchbruch in Syrien-Frage erwartet

Der türkische Premier Erdoğan befindet sich in den USA. Er wird sich mit US-Präsident Obama treffen und sich erneut für einen Militärschlag gegen Syrien einsetzen. Doch Obamas Strategie hat sich offenbar geändert. Washington und Russland wollen Friedensverhandlungen zwischen Assad und der bewaffneten Opposition in die Wege leiten.

Ministerpräsident Erdoğan befindet sich derzeit auf einem Staatsbesuch in den USA. Ein wichtiges Gesprächsthema bei seiner Zusammenkunft mit US-Präsident Obama am 16. Mai, wird der Syrien-Konflikt sein. Beide Länder sind überzeugt davon, dass das Assad-Regime gestürzt werden müsse.

Doch über die Methoden und den Zeitrahmen herrsche Uneinigkeit, berichtet die Today`s Zaman. Erdoğan werde im Weißen Haus darauf drängen, dass die USA eine aktivere Rolle einnehmen sollen. Doch Washington werde nicht gewillt sein, die Verantwortung für eine Intervention zu übernehmen.

Die Türkei fühlt sich im Syrien-Konflikt von den USA im Stich gelassen. „Obama nimmt wichtige Änderungen in seiner Nahost-Politik vor. Die USA haben eine andere Auffassung über den Syrien-Konflikt, als die Türkei“, sagt Gökhan Bacık von der Zirve Universität in Gaziantep.

Denn Washington möchte gemeinsam mit Moskau, Friedensverhandlungen zwischen der bewaffneten Opposition und dem der syrischen Regierung einleiten. Geplant ist eine Syrien-Konferenz. US-Außenminister John Kerry hatte zuvor verkündet, dass die USA ihre Unterstützung für die syrischen Rebellen erhöhen würde, wenn Assad nicht an den Verhandlungstisch käme.

Doch Bacık ist da anderer Auffassung. Der Syrien-Konflikt könne nur durch ein militärisches Eingreifen gelöst werden. Der türkische Analyst Nüzhet Kandemir ist der Meinung, die Türkei könne an einem Dialog mit der syrischen Regierung nicht teilnehmen. Ankara habe alles auf eine Karte gesetzt. Zudem haben die USA im Vorfeld der Syrien-Konferenz, türkischen Anfragen und Forderungen keine Beachtung geschenkt.

Offenbar haben sich Premier Erdoğan und Außenminister Ahmet Davutoğlu in ihren Prognosen zum Syrien-Konflikt erheblich verschätzt. Zuvor hatte der türkische Ministerpräsident im Gespräch mit NBC News einen US-Militärschlag gegen Syrien gefordert (mehr hier).

In Syrien werden türkische Drohungen nicht ernst genommen. Qadri Dschamil, stellvertretender syrischer Ministerpräsident für Wirtschaftsangelegenheiten und Vorsitzender der Partei des Volkswillens, sagt, dass die Drohungen der Türkei gegen Syrien nur dem Zweck dienen, die Moral der syrischen Rebellen aufrecht zu erhalten.

Die Türkei sei nicht im Stande Syrien anzugreifen, da das Land politisch und sozial gespalten sei. „Schon bald könnten auch in der Türkei soziale und ethnische Spannungen zum Ausbruch kommen und das Land in einen Bürgerkrieg stürzen“, zitiert die Hürriyet den Assad-Vertrauten (mehr hier).

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