Google und Facebook: Will der türkische Fiskus jetzt den Internetriesen an den Geldbeutel?

Das türkische Finanzministerium soll angeblich seine Bemühungen verstärken, Steuern aus der internationalen Online-Werbemarkt zu erhalten. Im Visier sind Seiten wie etwa Facebook, die dank der türkischen User erhebliche Einnahmen verzeichnen.

Wie der türkische Finanzminister Mehmet Şimşek am vergangenen Sonntag darlegte, bewege sich der türkische Online-Werbemarkt derzeit bei einem Volumen von rund einer Milliarde Dollar. Doch nahezu 70 Prozent fließe unversteuert aus der Türkei ab.

Türkischer Fiskus rechnet mit rund 42 Millionen Euro

Im Zuge der bereits laufenden Bemühungen von Seiten der Regierung, diese Verluste einzudämmen und Online-Werbeeinnahmen künftig in der Türkei und nicht im Ausland zu versteuern, erklärte Şimşek nun: „Wir nähern uns dem Abschluss unserer Arbeit.“ Von diesem Zeitpunkt an, müsse jedes Unternehmen, dass in der Türkei Einnahmen erwirtschafte, hier auch Steuern zahlen, zitiert ihn die türkische Zeitung Sabah. Der türkische Fiskus, so meldet auch die Miliyet, könne so mit etwa 100 Millionen türkische Lira, also etwa 42,6 Millionen Euro, rechnen.

Die Werbeeinnahmen von Suchmaschinen wie zum Beispiel Google und Yandex sowie Social-Networking-Sites wie Facebook, Twitter und LinkedIn werden täglich mehr. In der Regel werden hier Zahlungen über Kreditkarten abgewickelt. Die Folge: Via Knopfdruck entziehen sich die Gelder ins unerreichbare Ausland.

Es bleibt abzuwarten, wie das Vorhaben am Ende konkret umgesetzt und ob in diesem Zusammenhang vielleicht sogar Steuernachzahlungen für die vergangenen Jahre für die Unternehmen fällig werden.

Google zahlt freiwillig 60 Millionen Euro in einen Fonds

Auch in Frankreich laufen bereits seit 2010 Planungen für eine so genannten Google-Steuer. Im Februar 2013 dann die Einigung, die jedoch anders ausfiel, als von vielen erwartet:  Statt einer gesetzlich geregelten Steuer, die Frankreich von dem Suchmaschinenriesen seit Jahren gefordert hatte, zahle Google nun freiwillig 60 Millionen Euro in einen Fonds. Das Geld soll Verlage unterstützen, Artikel im Internet zu verbreiten. Darüber hinaus erklärte sich Google bereit, mit Googles Ad-Technologien französischen Verlegern bei der Vermarktung zu helfen. Das berichtete Chip Online. Das Abkommen sei das erste seiner Art, bei dem Google, wenn auch nicht per Gesetz, aber dennoch Geld für das Auflisten von Artikeln in Suchergebnissen in die Hand nimmt.

Bereits Nicolas Sarkozy hatte sich vor gut drei Jahren für eine Sonderabgabe für Google und dessen Wettbewerber stark gemacht. „Diese Unternehmen werden dort besteuert, wo sie ihren Sitz haben. Dabei schöpfen sie einen Teil unseres Werbemarktes ab”, zitierte ihn damals Spiegel Online. Ideengeber für  eine eine solche Abgabe war in erster Linie Sacem, das französische Gegenstück zur deutschen GEMA.

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