Neue Verfassung: Türkische Politik schiebt Kinderehen einen Riegel vor

Bereits im November 2012 stimmten alle vier Parteien im Verfassungsausschuss des türkischen Parlaments zu, dass die neue Verfassung so ausgestaltet sein sollte, dass es künftig keine Kinderbräute mehr geben kann. Jetzt konnten sich die Abgeordneten auf einen entsprechenden Artikel einigen.

Der Vermittlungssausschuss der Verfassungskomission, so berichtet die türkische Hürriyet, habe sich bereit erklärt, einen verfassungsrechtlichen Schutz gegen Kinderehen zu installieren. „Der Staat bietet Schutz von Kindern und Frauen vor häuslicher Gewalt und verhindert die vorzeitige und gewaltsame Ehe von Mädchen“, heißt es jetzt hierzu im entsprechenden Artikel über die Gründung einer Familie. Und weiter: „Die Familie beruht auf der Gleichheit der Partner. Die Erziehung und Ausbildung der Kinder liegt in der Verantwortung von Mutter und Vater. Der Staat prüft, ob diese Verantwortung ausgeführt wird.“

Konsens über das Thema herrscht innerhalb der vier Parteien im Verfassungsausschuss bereits seit vergangenen November. Eingegangen war zuvor ein Vorschlag der Oppositionspartei CHP, Ehen unter dem in der Türkei geltenden Mündigkeitsalter von 18 Jahren nicht mehr zuzulassen. Die regierende AKP, so Bozkurt, habe zunächst Einspruch gegen den Vorschlag eingelegt und bot stattdessen an, Kinderehen per Gesetz zu verbieten. Nach eingehender Debatte seien sich AKP, CHP, BDP und MHP schließlich einig geworden, das Thema in die neu entstehende türkische Verfassung einzubringen (mehr hier).

70 Millionen Frauen vor 18. Lebensjahr verheiratet

Weltweite Aufmerksamkeit erfuhr das Thema zuletzt am 11. Oktober 2012, dem ersten internationalen Weltmädchentag. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon erklärte damals: „An diesem ersten Internationalen Tag des Mädchens richtet sich der Blick der Vereinten Nationen vor allem auf das Problem der Kinderheirat. Jede dritte Frau, die heute zwischen 20 und 24 Jahre alt ist, hat vor ihrem 18. Lebensjahr geheiratet. Das sind allein in dieser Altersgruppe mehr als 70 Millionen Frauen. Obwohl die Anzahl minderjähriger Bräute in den letzten 30 Jahren zurückgegangen ist, ist der Kampf gegen Kinderheirat weiterhin eine Herausforderung, insbesondere in den ländlichen und armen Regionen der Welt.“

Vor knapp einem Jahr machte eine weitere, beunruhigende Meldung die Runde. Immer mehr minderjährige Mädchen aus Anatolien werden mit Verwandten in Europa zwangsverheiratet, hieß es damals. Der Schritt nach Europa gelte für sie als Chance. Doch Vereine protestieren dagegen und betonen: Schulbildung ist wichtiger (mehr hier). „Männer“, so informiert hierzu das türkische Konsulat, „können mit 17 Jahren und Mädchen mit 15 Jahren mit Einwilligung ihrer Eltern heiraten. Wenn ein Mann älter als 15 Jahre, aber jünger als 17 Jahre ist, und ein Mädchen älter als 14 Jahre, aber jünger als 15 Jahre ist, muss die Heiratserlaubnis durch ein Gericht ausgesprochen sein.

Mehr zum Thema:

Kinderbräute in der Türkei: Schutz der Kleinen muss in die Verfassung

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.