Hilfe bei Epilepsie: Kann ein Gehirnimplantat den Alltag erleichtern?

Erstmals können epileptische Schocks vorausgesehen werden. Für viele Patienten könnte dies den Alltag erheblich erleichtern.

Ein implantierter Messstreifen im Gehirn wurde im Rahmen einer australischen Studie als zuverlässiger Warnindikator für drohende Anfälle von Epilepsiepatienten bestätigt. Das Implantat des US-Herstellers NeuroVista registriert kontinuierlich sogenannte elektro-enzephalografische (EEG) Signale. Durch die Aufzeichnung der elektrischen Spannungsschwankungen im Kopf kann die Aktivität des Gehirns gemessen werden.

Die im Journal „The Lancet Neurology“ erschienene Studie wurde von einem Forscherteam um Mark Cook von der Universität Melbourne durchgeführt. Für bestimmte Epilepsie-Patienten könnte das Vorhersagegerät die Lebensqualität erheblich verbessern, so die Autoren. In manchen Fällen könnte sogar die Berufsfähigkeit erhalten werden. Dies betrifft vor allem solche Patienten, die Epilepsie-Medikamente nehmen oder auch nach einer Operation noch immer unter Anfällen leiden. Vor allem geht es um Patienten mit häufigen Anfällen.

Die 15 untersuchten Studienteilnehmer hatten trotz medikamentöser Behandlung zwei bis zwölf Anfälle pro Monat. Sechs Personen hatten sich auch bereits einer entsprechenden Operation unterzogen, die aber ebenfalls ohne Erfolg geblieben war. Allen Studienteilnehmern wurden im Zuge einer Operation jeweils zwei Elektrodenstreifen eingesetzt. An insgesamt 16 Punkten wurden EEG-Signale aufgenommen und an eine Telemetrie-Einheit weitergeleitet. Diese war unterhalb des Schlüsselbeins implantiert worden. Von dort aus wurden die Signale per drahtloser Verbindung an ein Ausgabegerät gesendet, das die Patienten immer bei sich trugen.

Das Gerät zeigt konstant die aktuelle Wahrscheinlichkeit eines drohenden Anfalls an. Wenn Gefahr in Verzug ist, können sich die Patienten zurückziehen und den Abfall in einer „sicheren“ Umgebung abwarten. Die Anfälle lindern oder ganz verhindern kann das Implantat nicht. Es kann Signale nur empfangen, nicht abgeben.

Die Fachmediziner Christian Elger und Florian Mormann von der Universität Bonn sagten dem Ärzteblatt, die Studienergebnisse seien ein Meilenstein in der Epileptologie. Bisher gab es demnach keine Möglichkeit, epileptische Anfälle vorherzusagen. Auch die Zuverlässigkeit der Anwendung ist einigermaßen gegeben: Bei 11 der 15 untersuchten Patienten gelang es der Anwendung, zwischen 65 und 100 Prozent der Anfälle tatsächlich vorauszusagen.

Mehr zum Thema:

Nachfrage gering bei neuer Pflegezusatzversicherung
Gesundheitsminister Bahr: Ärzte sollen künftig mehr Geld bekommen
Ärzte werfen das Handtuch: Griechenland gehen die Mediziner aus

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.