Nicht nur den Berg bezwungen: Erste saudi-arabische Frau besteigt den Mount Everest

Nicht nur für Raha Moharrak ist das ein Riesenschritt: Sie hat als erste saudi-arabische Frau den höchsten Gipfel der Welt, den legendären Mount Everest, bezwungen. Ihre Leistung hat Symbolcharakter. Immerhin: In ihrem Heimatland haben Sportlerinnen alles andere als einen guten Stand.

Die 25-jährige Raha Moharrak hat das geschafft, was nicht vielen Menschen gelingt. Sie hat den 8,848 Meter hohen Mount Everest in Nepal bezwungen. Am frühen Samstagmorgen erreichte sie den Gipfel mit einer Gruppe von ausländischen Bergsteigern und nepalesischen Führern. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

„Sie erreichte den Gipfel mit zwölf anderen Mitgliedern der Expedition“, so Gyanendra Shrestha, ein Beamter des nepalesischenTourismus-Ministeriums, zur Nachrichtenagentur AFP vom Everest Base Camp aus. „Wir waren in der Lage, sie zu kontaktieren. Sie ist sehr erschöpft und braucht jetzt Ruhe“, berichtet auch ihr Vater, Hassan Moharrak. Die ganze Familie sei sehr stolz auf ihre Leistung.

Olympia 2012: Erstmals zwei saudi-arabische Frauen dabei

Moharraks Erfolg steht in einer noch sehr jungen Reihe offizieller sportlicher Leistungen von Frauen. So durften sie erst 2012 zum ersten Mal überhaupt an Olympischen Spielen teilnehmen (mehr hier). Ein historischer Schritt in quasi letzter Minute, der schließlich zwei saudi-arabische Athletinnen zu einer Reise nach London verhalf. In diesem Jahr dann der nächste Zug im langsamen Richtungswechsel des ultra-konservativen Königreichs. Erst Anfang dieses Monats erlaubte die Regierung, dass einige Mädchen in privaten Schulen am Leichtathletik-Unterricht teilnehmen dürfen. Allerdings wurden die Schulen gebeten sicherzustellen, dass sie währenddessen ein bedeckendes und angemessenes Outfit tragen würden und das Ganze in angemessenen Bereichen stattfinde.

Nach Angaben von Human Rights Watch ist Saudi-Arabien das einzige Land der Welt, in dem Mädchen in staatlichen Einrichtungen nicht am Schulsport teilnehmen dürfen. „Es ist toll, dass eine Saudi-Frau den Gipfel des Mount Everest erreicht hat“, kommentiert Human Rights Watch-Direktor Minky Worden die Leistung der 25-Jährigen. Doch es gilt zu bedenken, dass immer noch Millionen von Frauen und Mädchen in Saudi-Arabien das Recht verweigert werde, in einer Turnhalle zu klettern oder alle Sportarten auszuüben, auch in staatlichen Schulen. Das sei eine Sache der Politik der Regierung.

60. Jahrestag der Erstbesteigung des Mount Everest

Moharraks Everest-Expedition „Arabs with Altitude“ war eine Charity-Aktion. Gesammelt wurde so Geld für Bildung in gemeinnützigen Organisationen in Nepal. Hunderte Bergsteiger werden auf Grund des guten Wetters versuchen in den nächsten Tagen den Gipfel des weltweit höchsten Berges zu erreichen. Die Erstbesteigung gelang übrigens vor genau 60 Jahren, am 29. Mai 1953, den beiden Männern Edmund Hillary und Tenzing Norgay. In die Schlagzeilen geriet der Mount Everest Ende April dieses Jahres allerdings durch eine ziemlich unsportliche Angelegenheit, nämlich durch eine  handgreifliche Auseinandersetzung zwischen Alpinisten und Trägern. Auf 7 200 Meter Höhe kam es zu einer handfesten Schlägerei. Dort waren drei europäische Extrembergsteiger, der Schweizer Ueli Steck, der Italiener Simone Moro und der englische Bergfotograf Jonathan Griffith, mit zunächst 17, später etwa 100 Sherpas aneinandergeraten. Im vergangenen Jahr rettete ein israelischer Bergsteiger seinen türkischen Kollegen (mehr hier).

Mehr zum Thema:

Vorstoß in Saudi Arabien: 25-Jährige wird erste Anwältin des Landes
Kampf um Gleichberechtigung: Arabische Frauen rufen virtuellen „Frühling“ aus
Saudischer Kleriker dreht durch: Er fordert Burka für Babys

 

 

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.