Salafisten randalieren in Tunesien: Auseinandersetzungen fordern ein Todesopfer

Ein toter Demonstrant und zahlreiche Verletzte: Das ist die Bilanz der Proteste der Salafisten-Bewegung Ansar al-Scharia in Tunesien am vergangenen Sonntag. Die radikalen Islamisten gerieten mit der Polizei aneinander, nachdem ein Treffen ihrer Bewegung zuvor verboten worden war.

Ein 27-jähriger Demonstrant wurde im Zuge der Auseinandersetzungen zwischen rund 500 radikalen Islamisten und Sicherheitskräften am vergangenen Sonntag in der tunesischen Hauptstadt Tunis getötet. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Zahlreiche weitere Personen wurden verletzt. Der Tote sei als Moez Dahmani identifiziert worden. Woran er gestorben sei, wurde nicht bekannt.

Nachdem das Jahrestreffen der Salafisten-Bewegung Ansar al-Scharia (Helfer der Scharia) untersagt wurde, errichteten die Demonstranten in einem Vorort der Hauptstadt  Straßenblockaden aus brennenden Reifen. Sie warfen Steine und schmissen Molotowcocktails. Die Polizei setzte darauf hin Tränengas und Gummigeschosse ein. Auch Warnschüsse wurden abgegeben.

Polizei nimmt Dutzende Demonstranten fest

Ursprünglich war in der Stadt Kairouan ein Treffen von Ansar al-Scharia geplant. Das Innenministerium schob diesem Vorhaben aus Sicherheitsgründen jedoch einen Riegel vor. Die Anhänger der vermeintlich 40.000 Mann starken Vereinigung werden unter anderem für Attacken auf die US-Botschaft sowie auf als „zu westlich“ betrachtete TV-Sender verantwortlich gemacht. Auch in Kairouan kam es zu Ausschreitungen. Dort beruhigte sich die Situation bis zum Sonntagabend wieder. In Tunis hielten diese in der Nacht noch an. Die Polizei nahm Dutzende Demonstranten im Distrikt Ettadamen, einer Salafisten-Hochburg, fest. Busse stellten in der Gegend ihren Betrieb ein, Geschäfte blieben geschlossen. Doch trotz der Patrouillen durch Einheiten der Armee und der Nationalgarde sprangen die Auseinandersetzungen auch auf zwei andere Stadtteile über.

Ansar al-Scharia als illegale Organisation eingestuft

Unterdessen hat Regierungschef Ali Larayedh den Tonfall deutlich verschärft und der Gruppierung Verbindungen zum Terrorismus vorgeworfen. Ansar al-Scharia, so Larayedh im Staatsfernsehen, sei eine illegale Organisation, die den Staat herausfordert und provoziere. Derzeit stellt sich die regierende Ennahda-Partei verstärkt gegen militante Islamisten. Mit Ansar al-Scharia liegt man im Clinch, da diese der gemäßigten Regierung eine anti-islamische Politik vorwirft. Sie droht ihr mit „Krieg“. Der 58-Jährige, der selbst als islamistischer Hardliner gilt, machte deutlich, dass Ansar al-Scharia auch künftig kein Kongress gestattet würde. Unter Ben Ali hatte er selbst 15 Jahre im Gefängnis gesessen.

In Tunesien hat der Arabische Frühling einst im Dezember 2010 seinen Anfang genommen. In der Folgezeit zogen Staaten wie Ägypten und Libyen nach. Erst im vergangenen Februar führte der Mord an einem bekannten Oppositionspolitiker in Tunesien zu Krawallen und Massenprotesten. Ministerpräsident Jebali hatte die Regierung aufgelöst und Neuwahlen versprochen. Er möchte eine Übergangsregierung bilden. Doch den Ton will er selbst angeben. Zuvor war es zu Massenprotesten und Ausschreitungen gekommen. Die Demonstranten machten die regierende islamistische Ennahda-Partei für den Mord an Chokri Belaidr verantwortlich (mehr hier). Anfang März hatten sich Islamisten und ihre Koalitionspartner nach mehrwöchigen Verhandlungen auf eine neue Regierung geeinigt.

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