Blasphemischer Blogeintrag: Türkisch-armenischer Autor zu über einem Jahr Haft verurteilt

Wegen eines Blogeintrags muss erneut ein Autor eine Haftstrafe antreten. Trotz internationaler Kritik bestraft die Türkei Blasphemie-Vergehen immer härter. Sevan Nişanyan, der am Mittwoch "schuldig" gesprochen wurde, findet das Urteil lächerlich.

Ein türkisches Gericht sprach am Mittwoch erneut ein Blasphemie-Urteil aus. Der türkisch-armenische Autor Sevan Nişanyan wurde zu 13,5 Monaten Haft verurteilt, weil er mit einem Satz in einem seiner Blogeinträge „religiöse Gefühle“ verletzt habe. Damit lag das Urteil des Gerichts nur knapp unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die 18 Monate gefordert hatte.

Anklage wurde aufrgund des folgenden Satzes erhoben:

„Es fällt nicht unter den Begriff der Hassrede, sich über einen arabischen Führer lustig zu machen, der vor hunderten von Jahren behauptet hat, Kontakt mit Gott aufgenommen zu haben und daraus politischen, finanziellen und sexuellen Profit geschlagen hat“.

Für Nişanyan ist die Verurteilung lächerlich, er twitterte auch am Mittwoch erneut seinen Blog-Post mit der Bemerkung: „Lasst uns den Artikel teilen, der vom Istanbuler Gericht 13,5 Monate für die Verletzung von religiösem bla bla erhalten hat“.

Nişanyan erfährt derzeit nicht als einziger die strengeren Urteile der Türkei für religiöse Vergehen. Auch der Pianist Fazil Say wurde kürzlich für Twitter-Nachrichten verurteilt (mehr hier).

Über die sozialen Netzwerke sprechen ihm viele Türken ihre Unterstützung aus. „Sevan Nişanyan, der sagte: ‚Diesem Land stehen zwei Hindernisse im Weg, das eine ist der Kemalismus und das andere der Islamismus‘, wird wieder von der TC [Türkischen Repuplik] bestätigt“, schreibt Ugur Derin. „Was hat Sevan Nisanyan in einer Gesellschaft zu suchen, die das Denken und Kritik verabscheut“, so Sinem Kilimci. Auch Yücel Inanogullari kann nicht fassen, dass Nisanyan für „so einen Post“ berurteilt wurde. „Verflucht sei so eine Justiz“, twittert er.

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