Noch ein Blasphemie-Prozess: Türkische Frauenrechtlerin vor Gericht

Gegen die Frauenrechtlerin Canan Arın wurde Anklage erhoben. Ihr Vergehen ist eines, dass immer mehr an die Praxis in nicht-demokratischen Ländern erinnert. Äußerungen von ihr sollen den Propheten und den Staatspräsidenten der Türkei beleidigt haben.

Schon wieder wird ein Blasphemie-Fall in der Türkei bekannt. Der türkischen Frauenrechtlerin und Anwältin Canan Arın steht wahrscheinlich ein Prozess wegen Blasphemie bevor. Damit befindet sie sich in guter Gesellschaft. Auch der türkische Pianist Fazıl Say wurde wegen Blasphemie verurteilt, anschließend wurde das Urteil allerdings aufgehoben (hier) und am Mittwoch wurde zudem der Autor Sevan Nisanyan zu über einem Jahr Haft verurteilt (hier).

Der Wortführer der Anklage gegen Arın ist Staatsanwaltschaft Osman Şanal, der schon im Zuge des Ergenekon-Verfahrens eine umstrittene Rolle gespielt hat. Der Prozess gegen Arın beginnt in der kommenden Woche.

In einer Rede im Jahr 2011 soll die Frauenrechtlerin den Propheten Mohammed beleidigt haben. Arın sagte auf einer Veranstaltung, dass es in der Türkei eine nicht aufhörende alte Geschichte aus dem Osmanischen Reich und schon aus der Zeit davor gebe. Es handele sich dabei um eine erntzunehmende sich wiederholende Geschichte der Pädophilie.

„Stellt euch vor, da gab es einen Propheten (Mohammed, Anm. d. Red.), der ein siebenjähriges Mädchen mit nach Hause nimmt und wartet bis sie die Regel bekommt, um mit ihr zu verkehren. Und jetzt stellt euch einen türkischen Staatspräsidenten (Abdullah Gül, Anm. d. Red.) vor, der als 30-jähriger Mann ein 14-jähriges Mädchen ehelichen möchte“.

Im Gespräch mit dem George Soros-nahen Online-Portal opendemocracy.net erklärte Canan Arın im vergangenen Jahr, dass sie mit dem Beispiel das Problem der Kinderehen verdeutlichen wollte. Schon während ihrer Rede sei sie von einer Gruppe junger Männer im Publikum angeschrien worden. Am kommenden Tag nach ihrer Konferenz habe eine weitere Gruppe von zehn Männern eine Pressekonferenz gegeben und ihr sowohl Beleidigung des türkischen Präsidenten, als auch Blasphemie vorgeworfen.

Diese zehn Personen sollen anschließend Klage gegen sie eingereicht haben. Arın ging es bei ihren Ausführungen vor allem um die Anprangerung von Ehen zwischen Männern und minderjährigen Mädchen. Es gebe mehr als 181.000 „Kinderbräute“ in der Türkei, so Arın. Sie ist außerdem Gründerin des Frauenrechtsvereins Mor Çatı.

Schon ihre Vernehmung hat allerdings gegen Menschenrechte verstoßen, erklärt die Diyarbakir Bar Association. Arın wurde am Dienstagmorgen gegen 5:30 Uhr Ortszeit in ihrem Hotel in Gaziantep, in dem sie übernachtete, von der Polizei festgenommen und zur Vernehmung gebracht. Bei Personen, deren Wohnsitz bekannt ist, ist das allerdings nicht erlaubt. Das sei „willkürliche“ Handlungsweise der Polizei, so Mehmet Emin Aktar, Leiter der Association.

Bereits im November 2012 stimmten alle vier Parteien im Verfassungsausschuss des türkischen Parlaments einem neuen Artikel zu, der künftig das Heiraten von Kinderbräuten verhindern sollte (mehr hier). „Der Staat bietet Kindern und Frauen Schutz vor häuslicher Gewalt und verhindert die vorzeitige und gewaltsame Ehe von Mädchen“, heißt es jetzt hierzu im entsprechenden Artikel über die Gründung einer Familie.

Hier versucht der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen der Türkei gegen Kinderehen mobil zu machen:

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