Landminen: Menschenrechtler setzen Türkei unter Druck

Eigentlich sollte die Türkei ihre Landminen bis zum Frühjahr 2014 vollständig räumen. Jetzt verlangt das Land jedoch mehr Zeit. Menschrechtler sind in höchster Sorge. Ginge es nach ihnen, müssten die Todesfallen so schnell wie möglich verschwinden.

„Wenn die Türkei endgültig Frieden will, dann müssen die Landminen dringend entfernt werden“, so Meral Çıldır von der türkischen Menschenrechtsorganisation İHD. Diese Flächen sollten ihrer Ansicht nach gesäubert und anschließend als landwirtschaftliche Areale genutzt werden. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Mehr als 1.000 Tote in den vergangenen acht Jahren

Die Aufforderung an die Türkei, sich stärker als bisher zu engagieren, erfolgte während einer kürzlichen Konferenz von Amnesty International Turkey in Istanbul. Dort wurden auch die jüngsten Zahlen zum Thema vorgestellt. Demnach gebe es im Augenblick 1.003.943 Landminen in der Türkei. Die überwiegende Mehrheit, nämlich ganze 900.000 davon, befinden sich in Grenzgebieten.

Auf Grund dieser Minen seien allein zwischen 2004 und 2012 1.050 Soldaten und Zivilisten getötet worden, 622 Soldaten und 112 Zivilisten wurden verletzt. Ungeachtet dessen plant die Türkei die Räumung ihrer Minenfelder allerdings erst 2014 zu beginnen. Gestartet werden soll an den Ostgrenzen. Die übrigen Gebiete sind dann in der Zeit von 2015 bis 2022 anvisiert.

Die Ottawa-Konvention sieht allerdings ein viel engeres Zeitfenster für das Land vor. Demnach hätte die Türkei die Gebiete bereits bis zum März des Jahres 2014 zu säubern. Wie vergangenen Montag bekannt wurde, wolle die Türkei aber offenbar die Vereinten Nationen anrufen und einen Aufschub um weitere acht Jahre erbitten. Die Türkei unterzeichnete den völkerrechtlichen Vertrag zum Verbot von Antipersonenminen am 1. März 2004.

Unsichtbare Gefahr: Minenfeld nicht gekennzeichnet

Erst im vergangenen Sommer erschütterte die Geschichte eines kleinen Hirtenjungen das ganze Land. In der türkischen Region Ağrı im Distrikt Doğubeyazıt verstarb dieser, weil er auf eine Landmine getreten war. Sein Begleiter kam mit Verletzungen davon (mehr hier). Immer wieder werden auch Soldaten Opfer der unsichtbaren Gefahr.

In der Türkei werden bereits seit den 50er Jahren Antipersonen-Minen eingesetzt. Zu Anfang an den südöstlichen Grenzen, aber vor allem auch an der Westgrenze zu Griechenland. Seit Mitte der 80er Jahre, so das Netzwerk Friedenskooperative, würden sowohl die Armee wie auch, in geringerem Umfang, die PKK Landminen fernab der Staatsgrenze einsetzen.

450.652 Minen, sollen nach Angaben des türkischen Generalstabs in einem streng markierten und eingezäunten Grenzstreifen zu Syrien vergraben sein. Anders sieht es mit einer weiteren halben Million aus. Viele der verminten Berghänge, Hochweiden und Wälder in den Regionen Dogubeyazit, Van, Bingöl oder Mardin sind weder markiert oder gar eingezäunt. Vielfach wissen die Bewohner der Gebiete nicht, wo sich die Landminen exakt befinden. Tödliche Unfälle sind vorprogrammiert.

Mehr zum Thema:

Auf Landmine getreten: Türkischer Hirtenjunge stirbt in Doğubeyazıt
Drei weitere türkische Soldaten sterben durch PKK-Landmine

 

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.