Massenknutschen in Ankara: Islamisten greifen Demonstranten an

Islamisten haben den Massen-Kuss-Protest türkischer Paare gegen die AKP-Regierung angegriffen. Bei einer Messerattacke durch einen Fanatiker erlitt ein Demonstrant Verletzungen. Der Grund für die völlig überzogene Reaktion: Das vermeintlich „unmoralische Verhalten“ der Küssenden.

Der Massen-Kuss-Protest an der U-Bahn-Station „Kurtuluş“ in Ankara (mehr hier) wurde durch islamistische Gegen-Demonstranten überschattet. Diese versuchten, die Aktion zu unterbinden. Am vergangenen Samstag nahmen insgesamt 300 Türken am Kuss-Protest teil. Als sich eine Gruppe von 40 bis 45 jungen Demonstranten am Ende der Zusammenkunft auf dem Weg nach Hause befindet, werden sie von etwa fünf Islamisten angegriffen. Einer der Fanatiker zückte dann ein Messer und verletzte eine Person leicht, berichtet Hürriyet.

Küssen gegen „moralische Erziehungsmaßnahmen“

Im Laufe der Kundgebung protestierten 20 Fanatiker gegen das „unmoralische Verhalten“ der Teilnehmer. „Diese Straße gehört den Muslimen. Ihr könnt euch hier nicht unzüglich verhalten. Auch wenn unser Blut fließen sollte, der Sieg gehört dem Islam“, so einer der islamistischen Anti-Demonstranten.

Das Massen-Küss-Marathon richtet sich gegen die „moralischen Erziehungsmaßnahmen“ der AKP-Kommune Ankara. In den vergangenen Wochen sollen an der U-Bahn-Station „Kurtuluş“ offizielle Ansagen gemacht worden sein, die die Bürger zu „moralischen Verhaltensweisen“ aufriefen. Ein Umstand, den die Demonstranten nicht hinnehmen wollen. Zu Recht. Denn: Einmischen will sich die Regierung derzeit gleich in eine ganze Reihe von Themen. Diskussionen rund um bestimmte Fernsehsendungen, Familienplanung und Co. sind allgegenwärtig. Aktuell ist der Alkoholkonsum bzw. die Werbung für Spirituosen wieder ins Visier geraten. Auch hier will die Regierung am liebsten einen ultra-konservativen Weg beschreiten (mehr hier).

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