Flächenpotential nicht genutzt: Türkische Landminen kosten jährlich Millionen

Die Türkische Architektenkammer (TMMOB) versucht die Regierung nun offenbar mit wirtschaftlichen Argumenten zur schnelleren Räumung der Landminen zu bewegen. Rund 30 Millionen Lira, etwa 12,6 Millionen Euro, so Ahmet Atalık, Vorsitzender der Niederlassung in Istanbul, würden Jahr für Jahr verloren gehen, weil die Gebiete nicht landwirtschaftlich genutzt werden könnten.

Die Frist rückt immer näher. Ginge es nach der Ottawa-Konvention, müsste die Türkei ihre Landminen bis zum Jahr 2014 räumen. Doch die türkische Regierung lässt sich Zeit. Im Augenblick stehen die Zeichen eher auf Aufschub, denn auf tatsächliche Aktion (mehr hier). Rufe von Menschenrechtlern scheinen ungehört zu verhallen. Jetzt ergreift die Türkische Architektenkammer (TMMOB) das Wort. Ahmet Atalık, Vorsitzender der Niederlassung in Istanbul, argumentiert mit knallharten, ökonomischen Zahlen.

Atalık verweist auf das brach liegende landwirtschaftliche Potential der verminten Gebiete. Würden diese Flächen geräumt und anschließend entsprechend genutzt werden, so zitiert ihn die türkische Zaman, könnten Profite um die 30 Millionen Lira, also rund 12,6 Millionen Euro, dabei herumkommen. Und das jährlich. Ohnehin vergibt die türkische Regierung derzeit Milliarden schwere Subventionen an ihre Bauern (mehr hier).

80 Prozent Ackerland nicht benutzbar

Zuvor hatte die TMMOB die Grenzgebiete auf ihr landwirtschaftliches Potential hin, aber auch auf ihren möglichen Beitrag zur Wirtschaft in der Zukunft und ihre mögliche Rolle bei der Schaffung von Arbeitsplätzen für Menschen, die in diesen Gebieten leben, untersuchen lassen. Der Fokus der TMMOB-Fachleute lag dabei insbesondere auf der türkisch-syrischen Grenzregion. Ihr Fazit: Gerade die Gegenden dort seien sehr produktiv und sehr gut für landwirtschaftliche Zwecke geeignet. Im Augenblick seien ganze 216.000 Hektar vermint, 170.000 Hektar, also gut 80 Prozent davon, wären allerdings fruchtbares Ackerland.

Konkret liegen 26 Prozent der verminten Flächen in der Provinz Şanlıurfa, 25 Prozent in Mardin, 15 Prozent in Hayat und Kilis, zehn Prozent in Şırnak sowie schließlich neun Prozent in Gaziantep. Doch genau hier würde sich nach Ansicht der TMMOB besonders die Produktion von Weizen, Gerste, Mais, Linsen, Kichererbsen, Gemüse, Obst, Oliven, Trauben, Pistazien, Mandeln oder auch Baumwolle besonders gut machen.

Positive Auswirkungen auf die Beschäftigung

Positive wirke sich die Räumung der Minenfelder nach Erkenntnissen der Architektenkammer dann auch auf die Beschäftigungssituation in diesen Gebieten aus. In ihrer Prognose gehen die Fachleute von 14,405 neuen Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft aus. Finden die Menschen in den östlichen und südöstlichen Provinzen vor Ort eine Tätigkeit, so Atalık weiter, würden sie schließlich auch nicht mehr als Landarbeiter in andere Teile der Türkei kommen.

Seit den 1950er Jahren wurden die Minen durch das türkische Militär entlang der türkisch-syrischen Grenzgebiet sowie den Grenzbereichen zu den anderen Nachbarländern eingebracht. Tausende sind seither gestorben, unzählige verstümmelt worden. Die Situation ist alarmierend: Allein an der 510 Kilometer langen Grenze zu Syrien gibt es 615.149 Landminen. 75.115 Minen entlang der 42 Kilometer langen irakischen Grenze. Im türkisch-iranischen Grenzgebiet liegen 191.428 Minen und weitere 21.000 entlang der armenischen Grenze. Erst am vergangenen Freitag war erneut ein 14-jähriger Junge in Yüksekova ums Leben gekommen.

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