Muslime in der Alpenrepublik: Wir sind Österreicher

Muslime in Österreich fühlen sich zu Hause, aber benachteiligt. Für sie ist der Islam eine friedliche Religion. Doch das sieht der Rest der Gesellschaft anders.

Eine im vergangenen Jahr vom Integrationsstaatssekretariat Österreich in Auftrag gegebene IFES-Studie über Muslime in Österreich ergibt, dass die Mehrheit der Muslime in die österreichische Gesellschaft integriert sind.

Insgesamt 58 Prozent der Muslime fühlen sich entweder völlig oder eher zu Hause in Österreich. Bei den türkischen Muslimen liegt der Anteil sogar bei 66 Prozent. Doch 61 Prozent fühlen sich – trotz der Bindung zum Land – gesellschaftlich benachteiligt.

Keine Verankerung der Religion im Gesetz

25 Prozent der Muslime stufen sich selbst als säkular, 19 Prozent als traditionell religiös, 26 Prozent als konservativ und 17 Prozent als politisch religiös ein. Für insgesamt 27 Prozent der Befragten sind staatliche Gesetze wichtiger, als religiöse Vorschriften. Weitere 22 Prozent finden religiöse Vorschriften zwar wichtig. Doch die Verankerung der Religion in die Gesetzesgebung lehnen sie ab. Nur 21 Prozent wollen die Religion in der staatlichen Gesetzgebung sehen. 20 Prozent können nicht klassifiziert werden.

Auf der anderen Seite scheinen österreichische Abgeordnete des europäischen Parlaments allerdings besonders aktiv zu sein, wenn es um Anfragen zum islamistischen Terror, des Islam in Europa oder die Unterdrückung von christlichen Minderheiten in islamischen Ländern geht. Missstände in der katholischen Kirche oder die Diskriminierung von Muslimen werden jedoch nicht thematisiert (mehr hier).

Friedlicher Islam? Großes Misstrauen bei Österreichern

Einen erheblichen Unterschied zwischen der muslimischen Minderheit und der österreichischen Mehrheitsgesellschaft gibt es allerdings in der Wahrnehmung des Islam. Während 90 Prozent der Muslime den Islam als friedliche Religion einstufen, liegt jener Anteil bei der Mehrheitsgesellschaft bei nur 37 Prozent. Ein Misstrauen, das der deutsche Islamwissenschaftler Mathias Rohe bereits im Mai 2011 angemahnt hat. Seiner Ansicht nach sei sich die österreichische Mehrheitsbevölkerung oft nicht im Klaren darüber, dass auch eine religiöse Minderheit Rechte habe (mehr hier).

Ihnen, so Rohe, sollte erlaubt sein, sich eine eigene religiöse Infrastruktur einzurichten. Andernfalls sieht der Fachmann die Gefahr, dass vor allem junge und gut ausgebildete Migranten mit muslimischem Hintergrund Österreich und Deutschland wieder verlassen könnten. Im Interview mit dem Radioprogramm “Ö1″ des Österreichischen Rundfunks (ORF) sagt er hierzu: „Das sollte uns nun wieder nicht passieren, dass wir Leute, die es in die Mitte der Gesellschaft geschafft haben, verprellen und in den Rückzug treiben.” Viele dieser Menschen seien es schlichtweg leid, „sich ständig für ihren Glauben rechtfertigen zu müssen.”

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