Strikter Atomkurs: Türkei will drittes AKW selbst bauen

Die Türkei hält unbeirrt an ihrem Atomkurs fest. Ein drittes AKW soll offenbar in weitestgehender Eigenregie durch vorwiegend nationale Ressourcen entstehen. Derartige Pläne, so macht Energieminister Taner Yıldız deutlich, hingen allerdings davon ab, wie sich die ersten beiden Kernkraftwerke des Landes entwickeln.

Allen kritischen Stimmen zum Trotz gehen die Energieplanungen der Türkei nun offenbar in Richtung eines dritten Kernkraftwerks. Den Bau einer solchen Anlage will man aber diesmal, anders als in den ersten beiden Fällen, vorwiegend mit einheimischen Kräften stemmen. Das berichtet die türkische Zeitung Hürryiet.

„Unser Plan ist, ein drittes AKW zu betreiben und den größten Teil der Anlage selbst zu bauen – ob das 60 oder 80 Prozent sein werden, das weiß ich noch nicht. Das hängt von der Performance unserer ersten beiden Kernkraftwerke ab“, zitiert das Blatt den Energieminister.

Schattenseiten der Atomkraft außer Acht gelassen

Erst vor kurzem hat die Türkei ihre ersten beiden Kernkraftwerk-Projekte in trockene Tücher gebracht. Eine Anlage liegt in russischer Hand (mehr hier), eine zweite wird von einem japanisch-französischem Konsortium gebaut (mehr hier). Ziel der Regierung ist es, auf diesem Weg die Erdgas-Importe über die nächsten zehn Jahre zu reduzieren. Die von Kritikern immer wieder dargelegten Schattenseiten dieser Vorhaben werden offenbar bewusst in Kauf genommen (mehr hier).

Nach Angaben von Yıldız habe die Regierung bereits mit den Planungen für ein drittes AKW begonnen. Das Argument: Der wachsende inländische Energiebedarf kann durch die ersten beiden Anlagen nicht gedeckt werden. Überstürzen wolle man das Ganze allerdings nicht: „Wir werden über den dritten Bau nicht übereilt entscheiden. Doch unser Verhandlungsdossier haben wir bereits vorbereitet.“

Zwar sei der Türkei bewusst, dass man ein drittes AKW nicht zu 100 Prozent aus türkischen Ressourcen errichten könnte, doch ein großer Teil der Aufgaben sei nach Ansicht von Yıldız durchaus durch heimische Kräfte stemmbar. Noch sind die Pläne vage. Dass sich die Entscheidung allerdings viele Jahre hinziehen könnte, ist nicht zu erwarten. So kündigte der Minister bereits an, dass damit auf Grund der langen Planungszeiten nicht gewartet würde, bis die beiden ersten Anlagen in Betrieb seien.

Türkei will Knowhow-Vorsprung in der Region

Knowhow scheint für die Türkei in diesem Fall den Vorrang vor Bedenken hinsichtlich Umwelt und Gesundheit zu haben. Das lässt auch Taner Yıldız durchblicken. Im Laufe der Zeit könne das Land eigene Fachleute und Wissenschaftler heranziehen. So gehöre etwa zum Bau des zweiten AKWs auch die Einrichtung einer türkisch-japanischen Technologie-Universität. Auf diesem Wege könne die Türkei ganz klar von der japanischen Atomenergie-Technologie profitieren – und das langfristig.

Diese technologische Basis werde zudem als „Achse zwischen den zentralen europäischen und den Golfstaaten“ dienen. Das Augenmerk des Ministers liegt dabei auf Länder des Nahen Ostens, die lange unter internen Konflikten gelitten hätten und es versäumt hätten, ihre eigenen industriellen Kapazitäten zu schaffen. „Diese Region wird sich wandeln. Länder wie der Irak und Syrien, die von den Aufständen müde sind, werden ihre richtigen Führungen finden, auch in puncto Industrie.“ Die Produktionsbasis dieser Länder werde dann die Türkei sein, ist er sich sicher und das sei die entscheidendste Investition, die die Türkei für die Zukunft machen könne.

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