OECD „Better Life Index“: Lebensqualität in der Türkei am schlechtesten

Obschon die Türkei in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Fortschritten zur Verbesserung der Lebensqualität ihrer Bürgerinnen und Bürger vollziehen konnte, hat es das Land im OECD-Vergleich nicht besonders weit gebracht. Im Rahmen des aktuellen OECD „Better Life Index“ kommt die Türkei auf den letzten Platz unter 36 Nationen.

Laut dem OECD-Better Life Index, eine Art Glücksbarometer der industrialisierten Welt, der auf Daten der Vereinten Nationen, einzelnen Regierungen und anderen Quellen basiert, haben türkische Haushalte ein geringeres jährliches Einkommen zur Verfügung als dieses im OECD-Durchschnitt mit 23,047 Dollar pro Jahr der Fall wäre.

Türken arbeiten länger, aber verdienen weniger

Zudem, das berichtet die türkische Zeitung Zaman, hätten nur 48 Prozent der Türken zwischen 15 und 64 Jahren hätten einen bezahlten Job. Auch hier läge der OECD-Durchschnitt mit 66 Prozent deutlich höher. Insgesamt 69 Prozent der Männer hätten demnach eine bezahlte Arbeit, dies gelte jedoch nur für 28 Prozent der Frauen. Auf der anderen Seite: Die Menschen in der Türkei arbeiten 1.877 Stunden pro Jahr. Das ist mehr als der OECD-Durchschnitt von 1776 Stunden. Rund 46 Prozent der Mitarbeiter hätten zudem „sehr lange“ Arbeitszeiten. Auch diese Zahl läge deutlich höher als der OCED-Wert von neun Prozent.

Auch in Bezug auf Bildung, einer wichtigen Voraussetzung, um einen Job zu finden, haben die Türken Nachholbedarf. Nur 31 Prozent der türkischen Erwachsenen im Alter von 25 bis 64 Jahren hat so etwas wie einen High-School-Abschluss, viel niedriger als der OECD-Durchschnitt von 74 Prozent. Ein Umstand, der auch nach Ansicht der Weltbank fatale Folgen hat (mehr hier). Auch die Involvierung türkischer Frauen in das Bildungswesen könnte nach Ansicht des OECD besser sein. Demnach hätten nur 26 Prozent der Frauen einen Gymnasialabschluss, aber 36 Prozent der Männer. Etwas unter Durchschnitt sei auch die Qualität der Lehre. In einem Vergleich der Fächer Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften erreichten die türkischen Schüler 455 Punkte. Der OECD-Durchschnitt sei 497.

Fünf Jahre weniger Lebenserwartung

Hinterher hinkt die Türkei auch in Sachen Gesundheit. Nach Angaben der  OECD läge die Lebenserwartung in der Türkei bei 75 Jahren. Immerhin fünf Jahre niedriger als der OECD-Durchschnitt von 80 Jahren. Die Lebenserwartung für Männer läge hier nur bei 72 Jahren, während der Durchschnitt bei 77 Jahren läge. Die Patientenzufriedenheit soll in der Türkei aber äußerst hoch sein (mehr hier).

Und wie steht es mit der Gesellschaft an und für sich? Demnach gebe es ein moderates Gefühl von Gemeinschaft und ein hohes Maß an Bürgerbeteiligung in der Türkei. 73 Prozent der Menschen glaubten, dass es jemanden gebe, auf den sie sich in Zeiten der Not verlassen könnten. Auch hier lag der OECD-Durchschnitt höher, nämlich bei 90 Prozent. Die Wahlbeteiligung, ein Maß für das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Regierung und der Beteiligung der Bürger am politischen Prozess, betrug 88 Prozent bei den letzten Wahlen. Immerhin: Diese Zahl ist höher als im OECD-Durchschnitt von 72 Prozent.

Der „Better Life Index“ zeigte insgesamt auf, dass die Türken weniger zufrieden mit ihrem Leben sind als der OECD-Durchschnitt. 68 Prozent der Menschen sagen, sie haben mehr positive Erfahrungen in einem durchschnittlichen Tag (Gefühle der Ruhe, Stolz in Erfüllung, Freude, etc.) als negative (Schmerzen, Sorgen, Trauer, Langeweile, etc.). Auch diese Zahl ist viel niedriger als der OECD-Durchschnitt von 80 Prozent.

Australien, Schweden und Kanada sind Spitzenreiter

Die OECD hat elf Parameter als wesentlich für das eigene Wohlbefinden identifiziert. Diese reichen von Gesundheit und Bildung, über die eigene Umgebung, bis hin zu persönlicher Sicherheit und allgemeiner Zufriedenheit mit dem Leben, sowie weitere traditionelle Einheiten wie etwa das Einkommen.

In seinem 2013-Index, wertete die OECD 36 Industrieländer auf Grundlage dieser Kriterien aus. Werden sämtliche Indikatoren gleichgewichtet, landet Australien ganz oben auf der Liste und erhält damit den Titel „lebenswertestes Land der Erde“. Eine OECD-Rangliste im eigentlichen Sinn gibt es allerdings nicht. Durch verschiedene Gewichtungen entstehen vielmehr unterschiedliche Reihenfolgen. Bei konsequenter Gleichgewichtung folgt auf Down Under jedoch Schweden, ebenfalls bekannt für seine hohen Lebensstandard und seine robuste Wirtschaft. Rang drei belegt Kanada. Deutschland belegt übrigens Rang 17.

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