Kampf gegen Depression: Bewegung kann helfen

Körperliche Bewegung verstärkt den Ausstoß des Glückshormons Serotonin. Dadurch bilden sich auch mehr Nervenzellen: Demnach könnten schwere Depressionen auf die fehlende Neubildung von Nervenzellen zurückzuführen sein.

Bewegung kann die Neubildung von Nervenzellen im Hippocampus fördern. Die Forschergruppe um Michael Bader vom Berliner Max-Delbrück-Centrum fand nun heraus, dass der Botenstoff Serotonin dabei eine entscheidende Rolle spielt. Er sorgt dafür, dass sich Stammzellen leichter zu Nervenzellen umwandeln.

Mäuse, die Serotonin bilden, schütten mehr von diesem Botenstoff aus, wenn sie sich bewegen. Das zusätzliche Serotonin fördert einerseits die vermehrte Entstehung neuer Vorläufer von Nervenzellen. Andererseits sorgt es dafür, dass bestimmte Vorläuferzellen im Gehirn, also Abkömmlinge von Stammzellen, leichter zu Nervenzellen ausreifen.

Der Hippocampus ist eine der evolutionär ältesten Strukturen des Gehirns. Er spielt eine entscheidende Rolle beim Lernen sowie bei der Gedächtnisbildung. Zeitlebens können hier neue Nervenzellen gebildet werden.

Bei Mäusen, die wegen einer Genveränderung kein Serotonin im Gehirn bilden können, führt die Bewegung nicht zu einem Zuwachs an Nervenzellen. „Serotonin wird also nicht unbedingt für die Neubildung von Nervenzellen im ausgewachsenen Gehirn benötigt, ist aber unverzichtbar, damit sich durch körperliche Aktivität vermehrt neue Gehirnzellen im Hippocampus bilden können“, zitiert DocCheck News die Berliner Forscher.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass ein Teil der Stammzellen bei denjenigen Mäusen, denen das Serotonin fehlt, abstirbt oder sich nicht weiterentwickelt. Offenbar verfügen diese Tiere über einen alternativen Mechanismus, mit dessen Hilfe sie den Serotoninmangel kompensieren können. Die Vorläuferzellen, eine Zwischenstufe in der Entwicklung von einer Stamm- zur Nervenzelle, teilen sich häufiger, möglicherweise um den Vorrat an diesen Zellen aufrechtzuerhalten.

Ein Mangel an Serotonin, das auch als Glückshormon bezeichnet wird, ist eine mögliche Ursache für Depressionen. Schwere Depressionen könnten auch auf die fehlende Neubildung von Nervenzellen zurückzuführen sein. „Unsere Erkenntnisse können möglicherweise dabei helfen, neue Ansätze zur Vorbeugung und Therapie von Depressionen zu entwickeln und auch altersbedingte Probleme beim Lernen und Erinnern zu behandeln“, hoffen die Forscher.

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