Mehrsprachige Alphabetisierung: 15 Wiener Volksschulen setzen auf Deutsch und Türkisch

Mehrsprachigkeit wird an 15 Wiener Schulen gezielt gefördert. Die Schulleiter und Sprachwissenschaftler sind der Ansicht: Je besser ein Kind in der eigenen Muttersprache ist, desto besser spricht es auch Deutsch.

 

Das Unterrichtskonzept der mehrsprachigen Alphabetisierung hat sich bisher an 15 Wiener Volksschulen durchsetzen können. Durch intensive Teamarbeit von Klassenlehrern und Muttersprachenlehrern für Türkisch und Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, lernen Schüler lesen und schreiben sowohl in ihren Muttersprachen als auch auf Deutsch. Dieses Konzept soll sich  positiv auf den gesamten Lese- und Lernprozess auswirken.

Auch die Volksschule Selzergasse hat ein Projekt der mehrsprachigen Alphabetisierung. „Zehn Stunden pro Woche stehen neben der Klassenlehrerin auch die Muttersprachenlehrer für BKS und Türkisch in der Klasse. Buchstaben und Begriffe werden nicht nur im Deutschen, sondern parallel auch in den anderen Sprachen erarbeitet“, berichtet österreichischen Tageszeitung Die Presse.

Mehrsprachigkeit hat für die Volkshochschule Selzergasse einen besonderen Stellenwert, da nur wenige der 200 Schüler einen österreichischen Hintergrund haben. Die meisten Kinder stammen aus Migrantenfamilien.

Kritik an Konzept

Sebastian Kurz, Integrationssekretär der ÖVP, ist alles andere als zufrieden mit dem Projekt. Für ihn habe Deutsch Priorität. Doch Schulleiterin Göd sieht das Ganze anders.  „Je besser ein Kind die Muttersprache beherrscht, desto leichter fällt auch das Deutschlernen“, so Göd.

BKS-Lehrer Suljo Nalić erklärt, dass Deutsch ohnehin die Arbeitssprache der Schule sei. Deshalb erlernen die Kinder die Wörter zuallererst auf Deutsch. In diesem Sinne brauche sich der Integrationssekretär keine Sorgen machen.

Mehrsprachigkeit bringt Erfolg

Der Salzburger Sprachwissenschaftler Hannes Scheutz ist der Ansicht, dass Migrantenkinder, die ihre Muttersprache gut beherrschen, auch Deutsch besser lernen können.

Mehrsprachigkeit fördere Lernfähigkeit und schulische Leistungen der Kinder. „Mehrsprachigkeit ist also eine Chance für alle Kinder, nicht nur Migrantenkinder“, zitiert die Zeitung Die Presse Scheutz. Sein Aufruf an türkischstämmige Migranten: „Lernt Türkisch!“.

Dieser Sichtweise schließt sich die deutsche Integrationsbeauftragte Maria Böhmer an. „Diese Bürger sind in jeder Hinsicht im Vorteil!“, so Böhmer (mehr hier). Offenbar ist Schulkindern mehr zuzutrauen, als bisher geglaubt.

Mehr zum Thema:

Nur für Muttersprachler: Deutsches Mädchen darf kein Türkisch lernen
Deutsch-Türkisch: Eine neue Form der Kommunikation
Türkçe-Deutsch: Können Migranten keine Sprache richtig?

 

 

 

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.