Proteste im Gezi-Park: Abgeordneter von der Polizei niedergestreckt

Der Istanbuler Abgeordnete Sırrı Süreyya Önder ist während der Proteste im Gezi-Park an diesem Freitag von der Polizei niedergestreckt worden. Der Politiker wurde von einer Tränengasdose an der Schulter getroffen. Der türkische Premier Erdoğan zeigt sich von den heftigen Protesten unbeeindruckt. Er will die Umgestaltung auf alle Fälle durchziehen.

Sırrı Süreyya Önder befand sich an diesem Freitag inmitten einer Menschenmenge, die einen Sitzstreik im Gezi-Park veranstaltet hatte. Schließlich schritt die Polizei ein, um die Menge auseinanderzutreiben. Dabei kamen nicht nur Wasserwerfer, sondern auch Tränengasdosen zum Einsatz (mehr hier). Von einem solchen Geschoss wurde der Istanbuler Abgeordnete an der Schulter getroffen.

Wie die türkische Zeitung Hürriyet berichtet, habe der BDP-Abgeordnete Ertuğrul Kürkçü über Twitter verlauten lassen, dass er mit Önder gesprochen habe und er diesen Vorfall bestätige. Der Politiker soll demnach ins Taksim İlk Yardım Krankenhaus gebracht worden sein. Önder soll es, so Kürkçü, in „keiner guten Verfassung“ sein.

Während der vergangenen vier Protesttage, in denen Intellektuelle, Künstler und Aktivisten gegen die geplanten Umgestaltungen protestierten, war Önder einer der engagiertesten Abgeordneten. Mehrmals stand Önder vor Bulldozern und versuchte, den Abriss der Bäume zu stoppen.

In dem Park soll ein Gebäude aus dem 18. Jahrhundert neu errichtet werden. Zudem soll ein Einkaufszentrum entstehen. Die Demonstranten befürchten die komplette Zerstörung des Parks. Doch Premier Erdoğan hält an seinem Vorhaben fest. „Ihr könnt machen, was immer ihr wollt. Wir haben unsere Entscheidung getroffen und ziehen sie durch“, zitiert die Zeitung Bugün Erdoğan.

Auch der türkische Journalist Ahmet Şık wurde bei den Ausschreitungen im Gezi-Park verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert. Sein Zustand sei stabil, berichtet die Zeitung Posta.

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