Myanmar: Muslimische Flüchtlinge finden Zuflucht in buddhistischem Kloster

Mehr als 1000 Muslime, die vor neuerlichen Gewaltausbrüchen in Myanmar geflohen waren, haben Zuflucht in einem buddhistischen Kloster gefunden. Die Anlage nahe Lashio wird von Soldaten bewacht. Derweil schwelen dort noch immer ausgebrannte Gebäude, die den jüngsten Ausschreitungen zum Opfer gefallen sind.

Die Armee, so berichtet die türkische Zeitung Hürriyet, habe die verängstigten muslimischen Familien aus der Gefahrenzone von Lashio gebracht. Dort tobten die Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Buddhisten zuletzt teils mit martialischer Gewalt. Eine Frau wurde angezündet, ein Mann zu Tode gehackt und auch das Marktviertel der Kleinstadt nordöstlich von Mandalay in Brand gesetzt. Die Feuerwehr der 120.000-Einwohner-Stadt war im Großeinsatz. Wohnhäuser, Geschäfte, eine Moschee, sogar ein muslimisches Waisenhaus waren in Brand gesteckt worden.

„Wir haben gehört, das es noch schlimmer kommen könnte, also haben wir Soldaten herbeigewunken und sie um Hilfe gebeten“, so die 59-jährige Khin Than, die am Morgen des 30. Mai mit ihren vier Kindern, einigen Säcken Gepäck und Hunderten weiteren Muslimen im Kloster angekommen ist.

Mönche kümmern sich um muslimische Flüchtlinge

In Lashio organisieren die buddhistischen Mönche Mahlzeiten für die neu angekommenen Flüchtlinge, die nun in mehreren Klostergebäuden untergebracht sind. Die Lage, so heißt es, soll sich mittlerweile wieder beruhigt haben. Mehrere Banken und Geschäfte hätten bereits wieder geöffnet. Polizei- und Militärfahrzeuge patrollieren in den Straßen und bewachen die zerstörten muslimischen Gebäude.

Ausgelöst wurden die neuerlichen Krawalle am 28. Mai, als ein muslimischer Mann eine buddhistische Frau mit Benzin übergossen und angezündet hatte. Was zunächst nur ein Gerücht war, wurde dann jedoch von den Behörden bestätigt. Die 24-Jährige, so wurde später bekannt, war bei dem Vorfall nur leicht verletzt worden. Sie erlitt Verbrennungen an Brust, Rücken und Händen. Der 48-Jährige Täter wurde festgenommen.

Nachdem die Tat bekannt wurde, hatten sich wütende Menschenmassen, unter ihnen auch buddhistische Mönche, vor einer Polizeistelle versammelt und die Auslieferung des Mannes gefordert.

Mehr als 200 Tote in einem Jahr

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sind bei den Ausschreitungen zwischen Muslimen und Buddhisten in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 200 Menschen getötet worden (mehr hier). Gut 90 Prozent der etwa 60 Millionen Einwohner des Landes sind buddhistisch, nur gut vier Prozent sind Muslime. In Lashio leben rund 2000 Muslime. Die türkische Regierung engagiert sich seit Sommer 2012 (mehr hier).

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