Proteste in Istanbul: Trittbrettfahrer nutzen Situation am Taksim-Platz aus

Erschreckende Bilder, brutale Videos: Über das Internet erfahren die User weltweit, welche Szenen sich derzeit am Istanbuler Taksim-Platz abspielen. Doch was ist echt? Was manipuliert? Der freie Journalist und Autor Eren Güvercin mahnt zur Vorsicht. Extremisten würden sich ob des Versagens der türkischen Massenmedien die Hände reiben.

Das Bild, welches seit diesem Samstagmorgen auf der Facebook-Pinnwand von Turkish Forum zu sehen ist, spricht eine deutliche Sprache. Die türkischen Medien halten sich in Sachen Berichterstattung über die Proteste in Istanbul bedeckt bzw. schweigen ganz. Ohren, Mund und Augen, so implizieren die drei Affen CNN Türk, NTV und Haber Turk, sind versiegelt.

Internet: Falschinformationen heizen Atmosphäre an

Via diverser Sozialer Netzwerke strömen die Informationen über die Ereignisse in der Türkei als auch über Solidaritätsbekundungen auf der ganzen Welt im Sekundentakt herein. Der freie Journalist und Autor Eren Güvercin mahnt jedoch, hier möglichst genau hinzusehen. Ebenfalls über seine Facebook-Pinnwand lässt er die User wissen:

„Trittbrettfahrer aus verschiedenen politischen Lagern, links bis rechts, heizen die Atmosphäre mit Falschinformationen und Fakebildern (Bilder vom Istanbul-Marathon etc) auf.“

Auch für den Blogger ist, ebenso wie für die EU und die USA (mehr hier), das Vorgehen der Polizei „brutal“ und müsse verurteilt werden. Auf der anderen Seite müsse die türkische Regierung hieraus ebenso Konsequenzen ziehen. Diese müsse die Situation richtig deuten und auch die Vorwürfe einer „gewissen Machttrunkenheit“ ernst nehmen.

Türkische Massenmedien haben „versagt“

Doch nicht nur die Situation auf den Straßen der Türkei ist tückisch. Güvercin ist ebenfalls der Ansicht, dass die türkischen Massenmedien in dieser Situation „versagt“ haben. Es handle sich um ein vorauseilendes Gehorsam der Medien einerseits und die Machttrunkenheit der AKP auf der anderen Seite. Eine Mixtur, die politischen Gruppen, denen die Opfer dieser Ausschreitungen ziemlich egal seien, in dieser insgesamt unübersichtlichen Situation nun Raum bietet, mit Falschinformationen „bewusst Öl ins Feuer zu gießen“.

Lob findet der Autor für die westlichen Medien allerdings ebenso wenig. „Auf das brutale Vorgehen gegen die Occupy-Bewegung in den USA und Europa wurde nicht so engagiert reagiert, wie jetzt im Falle von Istanbul“, so Güvercin. „Wären sie doch in den 80er und 90er Jahren genauso engagiert gewesen, als die damaligen Regierungen gegen Muslime in der Türkei brutal vorgegangen sind.“

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