Polizeigewalt in Türkei: Proteste weiten sich aus

Kenan Kolat befindet sich derzeit in Istanbul und beobachtet die regierungskritischen Proteste. Türkische Bürger aus allen politischen Lagern seien an den Demonstrationen beteiligt. Sogar ehemalige AKP-Wähler sollen dabei sein.

„Die Mehrheit der Fernsehsender ignorieren die Ausschreitungen. Sie haben Angst vor der Regierung. Nur zwei türkische Fernsehkanäle berichten per Live-Übertragung von den Protesten“, so Kenan Kolat, der sich derzeit in Istanbul befindet (mehr hier).

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), sagt im Gespräch mit den DTN an diesem Samstag, dass das „Feuer der Demokratie“ die gesamte Türkei erfasst habe. Doch die Polizei gehe brutal gegen friedliche Demonstranten vor. Das habe er persönlich mitbekommen. Die Tränengas-Einsätze seien so massiv, dass eine ungefähr eineinhalb Kilometer lange Tränengas-Wolke über Istanbul schwebe. Alle Bürger seien durch den Einsatz betroffen.

„Diese Proteste sind nicht einer Splittergruppe zuzurechnen. Es ist das türkische Volk, welches auf den Straßen ist. Sogar direkt unbeteiligte Bürger unterstützen die Demonstranten durch Hupkonzerte und Beifallklatschen. Zehntausende sind auf den Straßen und immer mehr Menschen schließen sich ihnen an“.

Er selbst habe mit ungefähr 150 Demonstranten gesprochen. Unter ihnen befänden sich auch zahlreiche Menschen, die bei den vergangenen Wahlen der AKP ihre Stimme gegeben haben sollen. Sie seien schlichtweg unzufrieden mit den autoritären Zügen der AKP-Regierung. Er sei als Privatmann und nicht im Auftrag der TGD in Istanbul. Kolats einziges Interesse gelte dem Thema der Bürgerrechte. Parteipolitik sei für ihn uninteressant.

Unterschied zu Stuttgart 21

„Ich erkenne sehr starke polizeistaatliche Strukturen“, so Kolat. Es gebe sehr viele Parallelen zum Polizeieinsatz beim „Stuttgart 21-Protest“ in Deutschland. Der einzige Unterschied liege darin, dass es nach „Stuttgart 21“ zu Rücktritten kam. Doch in der Türkei, so Kolat, bräuchten die Verantwortlichen der Polizei-Einsätze keine Konsequenzen fürchten. Deshalb gehen sie nach Belieben vor.

Unter den Demonstranten kursieren Gerüchte, dass mehrere Menschen getötet worden sein sollen. Eine offizielle Stellungnahme seitens der Behörden blieb bisher aus.

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