Ausschreitungen in Istanbul: Ist Olympia 2020 in Gefahr?

Der Istanbuler Bürgermeister Kadir Topbaş fürchtet um die Olympischen Spiele 2020. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten könnten die Stadt in Erklärungsnot gegenüber dem Internationalen Olympische Komitee (IOC) bringen. Der Rückzug der Polizei am Samstag ist seines Erachtens „zu spät“ gekommen.

„Als Bürgermeister von Istanbul stimmt mich die Tatsache, dass die ganze Welt diese Szenen mitansah, sehr traurig. Wie werden wir das erklären?“, so der Istanbuler Kadir Topbaş nur wenige Monate vor der finalen Entscheidung über den Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele 2020 im kommenden September. Wie, fragt das Stadtoberhaupt in einem Interview mit NTV am vergangenen Samstag, könne die Stadt nun noch die Spiele für sich beanspruchen?

Istanbul: Letzter IOC-Eindruck war exzellent

Die Millionenstadt am Bosporus hat sich in der Vergangenheit bereits mehrmals erfolglos für die Olympischen Spiele beworben. Erst im vergangenen Januar reichten die Kandidaten ihre abschließenden Bewerbungsunterlagen ein (mehr hier). Und diesmal, dem nunmehr fünften Anlauf, ist man dem Ziel so nah wie noch nie. Derzeit befinden sich nur noch Madrid und Tokio mit im Rennen um die Austragung der wichtigsten sportlichen Wettkämpfe der Welt. Erst im vergangenen März hat Istanbul bei der IOC-Evaluierungskommission einen „exzellenten Eindruck“ hinterlassen (mehr hier).

Rückzug der Polizei hätte viel früher erfolgen müssen

Dass sich die Polizei am Samstagnachmittag zurückzog, wurde von Topbaş begrüßt. Das sei ein sehr wichtiger Schritt gewesen, der jedoch „sehr spät“ vollzogen worden sei. Das hätte seiner Meinung nach schon „viel früher“ geschehen müssen. „In demokratischen Ländern können die Menschen zusammenkommen, um ihre Ideen zu äußern“, so das Stadtoberhaupt. Er persönlich jedenfalls habe seine Lehren aus den jüngsten Ereignissen gezogen, vor allem hinsichtlich einer besseren Informierung der Öffentlichkeit über laufende Projekte, einschließlich der Vorhaben im Gezi-Park (mehr hier).

„Wir hätten auf dem Taksim Platz einen Informationsstand aufstellen können“, regt Topbaş an. Es hätte zum Beispiel nicht unbedingt ein Einkaufszentrum sein müssen, sondern stattdessen vielleicht einige Geschäfte, Cafés, Kunstgalerien, oder ein Museum. Man hätte eine ernsthafte Informationskampagne durchführen müssen.

Bürger hätten besser informiert werden müssen

Dass es bei den Protesten mittlerweile um mehr geht, als um das Fällen von Bäumen, das ist jedoch auch dem Bürgermeister offensichtlich nicht ganz klar. Denn nach Ansicht von Topbaş hätten die heftigen Ausschreitungen durchaus verhindert werden können, wenn man von Anfang an erklärt hätte, dass man lediglich fünf Bäume fälle, um den Fußweg neben dem Park zu vergrößern.

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