Türkei: Geheimdienst sucht „Drahtzieher“ und kündigt Säuberungen an

Die Massenproteste in der Türkei halten an. Doch Erdoğan droht weiter: Die „Drahtzieher“ der Proteste werden schon bald zur Rechenschaft gezogen werden. Der gefürchtete türkische Geheimdienst soll bereits damit begonnen haben, Teilnehmer der Proteste auszuforschen.

Die landesweiten Proteste in der Türkei gegen die Regierung Erdoğan wollen nicht abreißen. In der Hauptstadt Ankara kam es zu Zusammenstößen zwischen etwa 1.000 regierungskritischen Demonstranten und der Polizei. Die Sicherheitsbeamten setzten Tränengas ein und nahmen etwa 500 Menschen in Untersuchungshaft, berichtet die Nachrichtenagentur Anadolu.

Trotz der aktuellen Ereignisse im eigenen Land, ist Erdoğan zu einem Staatsbesuch nach Marokko geflogen, berichtet Milliyet. Doch vor seinem Abflug sprach er eine Drohung an die „Drahtzieher“ der Demonstrationen aus. „Die stattfindenden Ereignisse werden organisiert von radikalen Elementen. Hier haben sowohl inländische als auch ausländische Kreise ihre Finger im Spiel“, so Erdoğan bei Haberturk. Der Geheimdienst führe Untersuchungen durch. Der Geheimdienst hat angekündigt, man werde alle Drahtzieher ausfindig machen.

Die Ankündigung Erdoğans, dass der Geheimdienst bereits aktiv sei, hat bei den Organisatoren der Proteste für Nervosität gesorgt. Der türkische Geheimdienst ist wegen seiner Methoden gefürchtet. Menschenrechts-Aktivisten warnen, dass es wegen der Proteste zu weiteren Einschränkungen der  Bürgerrechte in der Türkei kommen könnte. Beobachter fürchten „Säuberungen“ unter den Oppositionellen. So rätseln die Türken, welche Funktion die gelb-orange Flüssigkeit haben könnte, die an einigen Stellen auf die Demonstranten gespritzt wurden (hier).

Der türkische Staatspräsident Gül zeigte hingegen Verständnis für die Demonstrationen. Die sinnvollen Forderungen seien verstanden worden. Die Türkei sei eine offene Gesellschaft, in der jeder das Recht habe, seine Meinung frei zu äußern. „Eine Demokratie besteht nicht nur aus Wahlen“, zitiert Milliyet Gül.

Was die Hacker von Anonymous über die Proteste denken – hier.

Was gestern Nacht geschah – hier.

 

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