8. Tag der Proteste in der Türkei: Dämpfer für Erdoğan, das Ausland mischt sich ein

Als nicht mehr so angespannt wie in den vorangegangenen Tagen wird am Dienstagabend die Situation in den türkischen Städten beschrieben. Vollkommen beruhigt habe sich die Lage allerdings nicht. Tag acht der landesweiten Demonstrationen hat nun sowohl die NATO als auch die UN auf den Plan gerufen. Die Kritik richtet sich gegen Premier Erdoğan, die Polizei, aber auch gegen die Demonstranten.

Unterdessen hat sich nun auch eine der größten Arbeitergewerkschaften in der Türkei, die Kamu Emekçileri Sendikaları Konfederasyonu (KESK), mit den Anti-Regierungsdemonstranten solidarisiert und zu einem zweitägigen Streik aufgerufen. Ab dem Mittag legten die Mitglieder ihre Arbeiter nieder. Das Vorgehen gegen die Demonstranten bezeichnete die Konföderation in einer Erklärung als „Staatsterror“ (mehr hier). Auch das Auswärtige Amt ist nun auf den Plan getreten. „Reisende werden gebeten, sich von Demonstrationen und Menschenansammlungen fernzuhalten und Vorsicht walten zu lassen“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung. Nach wie vor, so ist aus Istanbul zu vernehmen, sei die Situation angespannt (mehr hier). Die Vereinten Nationen forderten in Anbetracht der Lage  sofortige, gründliche, unabhängige und unparteiische Untersuchungen. Auch die Verantwortlichen, so heißt es in Genf, müssten „juristisch verfolgt“ werden.

Am frühen Abend schließlich ein Hoffnungsstreif am Horizont: Die türkische Regierung hatte sich bei den Demonstranten entschuldigt, wenigstens zum Teil. Der stellvertretende Ministerpräsident Bülent Arınç erklärte im Rahmen einer Pressekonferenz, dass die Polizei die Schuld an der Eskalation des Gezi-Park-Protests trage. Doch er entschuldige sich nur bei den Umweltschützern, die am ersten Tag protestiert hatten. Alle anderen verdienten keine Entschuldigung. Arınç habe volles Verständnis für den Schutz der Umwelt. Deshalb möchte er sich mit den Gezi-Park-Demonstranten zu einem Gespräch zusammenfinden (mehr hier).

Nicht mehr so angespannt, aber auch nicht völlig ruhig

Demonstrationen fanden am achten Tag vor allem in den türkischen Städten İstanbul, Ankara, İzmir, Antalya, Eskişehir, Muğla, Konya, Yalova und Bolu statt. Das berichtet Dünya Bülteni. Haberturk fasst derweil die Lage zusammen. Das Blatt beschreibt diese insgesamt zwar nicht als vollkommen beruhigt. Doch die Situation sei nicht mehr so angespannt, wie in den vergangenen Tagen gewesen.

Derweil sitzen nun vermutlich Hunderte Türkei-Urlauber im Land fest. Bereits am Montag hatte die Düsseldorfer GTI Travel GmbH, eine Tochtergesellschaft der Familienholding Kayigroup aus Antalya, bekanntgegeben, zahlungsunfähig zu sein. Auch das türkische Schwesterunternehmen eines der bis dato größten Türkei-Reiseveranstalter, Sky Airlines, habe seinen Flugbetrieb für den deutschen Markt eingestellt, hieß es. Schon am Montagabend ging für Türkei-Urlauber aus Paderborn, Frankfurt oder Nürnberg nichts mehr. Und zurück sah es tags darauf nicht viel besser aus. Allein in der Türkei seien mehrere hundert Passagiere gestrandet, die am Dienstagmorgen abreisen sollten, berichtet Spiegel Online. Wer den Flug mit Sky Airlines über andere Veranstalter als GTI gebucht habe, sei umgebucht worden.

Sevim Dağdelen möchte die EU-Beitrittsverhandlungen aussetzen – hier.

Eine türkische Crowdfunding-Aktion sammelt rund 82.000 Dollar – hier.

 

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