Kampf der Kulturen: Die Schlacht um die Zukunft der Türkei

In der Türkei verschärft die Wirtschaftskrise die sozialen Spannungen. Die Lebensweise in den Städten ist völlig anders als auf dem Land. Ein Verteilungs-Kampf hat begonnen, der durch den Streit zwischen Kemalisten und Islamisten verschärft wird. Die jüngsten Ausschreitungen sind keine Episode - sie dürften einen Trend signalisieren.

Ähnlich wie Spanien hat auch die Türkei einen Bauboom bei Immobilien in den touristischen Zentren entlang der türkischen Riviera erlebt. Was zunächst den Weg zu schnellem Reichtum zu ebnen schien, wird jetzt zu einer schweren Hypothek, wenn Leerstände die Bauherrn oder Immobilienmaklern wie Blei auf den Bilanzen liegen. Wo vorher Billigreisen boomten, droht jetzt zahlreichen Reiseveranstaltern in der Türkei die Insolvenz. Eben musste mit GTI Travel einer der größten Reiseveranstalter in Deutschland für Türkei-Reisen die Insolvenz anmelden.

In der Türkei steigen schon seit einiger Zeit die Preise deutlich schneller als in anderen Konkurrenz-Ländern. Im Vergleich zur EU liegt die Inflationsrate etwa dreimal so hoch bei derzeit 6,1%. Das bringt zwangsläufig die türkische Lira unter Abwertungsdruck. Bereits seit Mitte letzten Jahres befindet sich die türkische Lira im Sink-Flug. Dies schreckt ausländische Investoren ab, denn ihre Bestände an Investitionen in die Türkei verlieren gemessen am Außenwert systematisch an Wert. Der reale effektive Wechselkurs der Türkei hat sich immer mehr dem der EU angenähert (siehe Grafik).

Dies bedeutet, dass die Türkei ihren Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten in Europa im Tourismus, aber auch als Billiglohnland im produzierenden Gewerbe verliert.

Dieser Trend könnte auch in den kommenden Jahren anhalten. Das Wachstumsmodell, auf dem die türkische Wirtschaft aufbaut, erweist sich als brüchig.

Hinzu kommen weitere Belastungen durch den Bürgerkrieg in Syrien. Der droht, durch Flüchtlingsströme und grenzüberschreitende Scharmützel die Türkei in den Konflikt zu ziehen. Die Krise Zyperns und Griechenlands belastet auch die Türkei. Regionale Handelspartner wie Ägypten, Iran, Libanon, Jordanien und Israel leiden ebenfalls unter den politisch-militärischen Spannungen der Region.

Vor diesem Hintergrund sind die jüngsten Ausschreitungen wohl nicht bloß eine Episode.

Sie sind ein Trend, der der Türkei in den kommenden Jahren erheblich zu schaffen machen dürfte.

Der 8. Tag der Proteste – hier.

Das Land stemmt sich gegen Erdoğan – hier.

 

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