Welle der Solidarität: Türkische Bürger ordern Lebensmittel für Gezi-Park-Demonstranten

Nicht nur via Tweets unterstützen die Menschen türkische Demonstranten von zuhause aus. Die führende türkische Lebensmittel-Bestellservice Kette yemeksepeti.com soll kürzlich mehr als 1000 Aufträge erhalten haben, die an den Gezi Park in Istanbul geliefert werden sollen.

Pizza, Hamburger oder auch Wraps: Mehr als 1000 Menschen sollen von zuhause aus bei der Lebensmittel-Bestellservice Kette yemeksepeti.com Nahrungsmittel für die Demonstranten im Istanbuler Gezi Park geordert haben. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

„Wir haben Aufträge aus dem ganzen Land empfangen und auch von außerhalb der Türkei“, so Nevzat Aydın, Gründer und CEO des türkischen Start-Ups Yemek Sepeti. Auch das Adress-Problem sei geschickt gelöst worden. Nach Angaben von Aydın hätten die Kunden einfach Lieferadressen in der Nähe des Parks angegeben. Zwar gab es dann einige Verzögerungen bei den Lieferungen. Doch am Ende habe alles problemlos funktioniert.

Insgesamt, so berichtet das Medium, soll sich die Atmosphäre deutlich entspannt haben. Gerade im Gezi Park habe sich die Protest- nun in eine Art Festival-Stimmung verwandelt. Neben den vielen jungen Leuten, seien nun auch deren Väter, Mütter und sogar die Großeltern vor Ort. Popstar Şebnem Ferah habe sogar ein Konzert gegeben. Auch in Ankara sei die Lage ruhig. Im Istanbuler Stadtteil Beşiktaş sowie in Tunceli sähe das derzeit allerdings noch anders aus.

Für mindestens 24 andere Bürger, die ihre Solidarität mit den Demonstranten bekunden wollten, ging das Ganze in der vergangenen Nacht weniger gut aus. Sie wurden wegen „Anstiftung zu Aufruhr und Propaganda“ in İzmir festgenommen (mehr hier). Unterdessen hat die türkische Regierung am vergangenen Dienstag zumindest teilweise eingelenkt. An diesem Mittwoch will der stellvertretende Ministerpräsident Bülent Arınç zu Gesprächen mit Demonstranten zusammen kommen (mehr hier).

Derweil reißen auch in Deutschland die Solidaritätskundgebungen für die türkischen Demonstranten nicht ab. In Paderborn etwa versammelten sich am vergangenen Montag rund 500 Menschen. Auch in Köln gab es eine Zusammenkunft.

Auf der Plattform yemeksepeti.com können registrierte User je nach Stadt einfach per Mausklick ihren Essenskorb (was yemeksepeti übersetzt bedeutet) bestellen. Gegründet im Jahr 2000, gehen mittlerweile täglich 50 bis 60.000 Bestellungen ein. Auch ein deutscher Fond, so berichtet online-gruender, habe 44 Millionen Euro investiert und erhielt im Gegenzug einen Minderheitsanteil an der Unternehmung.

Die Türkei importiert in zwölf Jahren mehr als 600 Tonnen Tränengas – hier.

In der Nacht werden 24 Personen wegen Unterstützer-Tweets verhaftet – hier.

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