Heftige Proteste, harsche Polizei: Jetzt wenden sich die Touristen ab

Die seit Ende Mai andauernden Proteste in der Türkei haben nun auch den Tourismussektor in Mitleidenschaft gezogen. Istanbul verzeichnete reihenweise Stornierungen. Andere Städte sind bisher nicht betroffen. Doch während die einen fernbleiben, strömt ein neuer Typus Reisender herein.

Es scheint, als ob nun auch der Tourismussektor erste Einbußen durch die seit 28. Mai anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen der türkischen Polizei und den Demonstranten hinnehmen müsste. Es sehe ganz danach aus, so berichtet an diesem Dienstag die türkische Hürriyet, dass es in Istanbul eine ganze Reihe von Reisestornierungen gegeben habe. Andere Städte, so das Blatt, seien bisher nicht betoffen. Derweil würde jedoch ein anderer Typus „Reisender“ in die Stadt strömen: Polizisten.

Auf Nachfrage der DTN bestätigte ein Rezeptionist in der Nähe des Taksim Platzes bereits zu Wochenanfang, dass er den Kunden des Hauses zum Umbuchen rate. Auch das Auswärtige Amt sorgt sich um seine Bürger. „Reisende werden gebeten, sich von Demonstrationen und Menschenansammlungen fernzuhalten und Vorsicht walten zu lassen“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung (mehr hier).

Stornierungen in Istanbul vor allem für Juni

Mittlerweile seien auf Grund der jüngsten sozialen Unruhen und polizeilichen Reaktionen mehr als 40 Prozent der Hotelreservierungen vor allem in Istanbul verschoben oder gar gecancelt worden, schreibt das Blatt. „Die Proteste in Istanbul, wohin es viel mehr [Wirtschafts- und Kultur-] Touristen zieht, als in andere Städte der Türkei, haben viele ausländische Touristen beunruhigt“, so Osman Ayık,Präsident der türkischen Hoteliers Federation (TÜROFED) zur Hürriyet. Vor allem Business-Touristen hätten damit begonnen, ihre Reisen zu stornieren oder neue Hotels außerhalb der Istanbuler Innenstadt zu suchen. Abgesehen von der Bosporus-Metropole habe es jedoch für keine andere Stadt in der Türkei Annullierungen von Flügen oder Hotelreservierungen gegeben.

Bestätigt wird die aktuelle Entwicklung auch von Can Göktaş, Sales und Marketing Direktor des Ciragan Palace Kempinski Istanbul. „Die jüngsten Proteste in der Türkei haben mittelfristig Einfluss auf die Geschäfts- oder Urlaubsreisepläne von vielen lokalen und ausländischen Gästen. Vor allem für diesen Juni haben wir  solche Annullierungen sowohl bei unseren einheimischen als auch bei unseren ausländischen Gästen.“

Weitere Ausfälle werden befürchtet

Andernorts, so schreibt das Blatt weiter, kämen derweil neue Besucher an: Polizisten. „Wir haben bisher keine negativen Auswirkungen der jüngsten Proteste auf den Tourismussektor in Anatolien, einschließlich der Küstenstädte wie etwa Antalya beobachtet. In der Hauptstadt Ankara sind die Hotelbuchungen auf Grund der Polizisten, die von anderen Städten nach Ankara abkommandiert wurden, sogar gestiegen“, berichtet Seçim Aydın, Präsident des Tourismusverbands ATİD.

Auch die Branchenvertreter würden sich derzeit wünschen, dass es zügig zu einer Annäherung komme. Werde nicht bald ein Mittelweg gefunden, so Ayık, werde es demnächst auch in anderen Städten zu Stornierungen kommen. Zu allem Überfluss meldete am vergangenen Montag auch noch GTI-Travel Insolvenz an (mehr hier).

Die Proteste sind mehr als nur eine Episode – hier.

Türkische Polizei verhaftet mindestens 24 Twitter-User – hier.

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.