Nach Pro-Erdoğan-Demo: Türkei fürchtet neue Zusammenstöße

Türkische Radiosender haben sich in einer gemeinsamen Erklärung an das türkische Volk gewandt. Ihre Botschaft ist deutlich: Die Menschen in der Türkei sollen sich daran erinnern, dass sie ein Volk seien. Verurteilt werden sowohl die Polizeigewalt als auch Angriffe gegen Polizeibeamte. Offenbar werden neue Zusammenstöße befürchtet.

Insgesamt 255 nationale und regionale Radiosender haben in einer gemeinsamen Botschaft zur Einheit im Land aufgerufen. Offenbar fürchten sie neue Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten. Die Ausschreitungen könnten sich sogar unter dem Volk ausbreiten. Am 07. Juni hatten Zehntausende die Ankunft Erdoğans am Atatürk-Flughafen in Istanbul lautstark gefeiert (mehr hier). Die Radiosender ermahnen:

„Wir sind in Trauer. In den achtziger Jahren haben sich Rechte und Linke bekriegt. Danach haben sie versucht unser Land in einen sunnitisch-alevitischen Kampf hineinzudrängen. Dann kam der Versuch, das Land in Kurden und Türken zu spalten. Diejenigen, die unser Land nicht von außen in die Knie zwingen konnten, haben es immer wieder mit einer innenpolitischen Schwächung versucht. Wir sind in Trauer, weil wir sehen, wie unsere Bürger aufgrund der massiven Tränengaseinsätze in Krankenhäuser eingeliefert werden. Wir sind in Trauer, weil wir sehen, dass es auch Provokateure gibt, die Polizeibeamte angreifen und verletzen. Unsere Feinde werden sich freuen. Maßgeblich sind einzig und allein die Bürgerrechte. Jeder Bürger hat ein Recht darauf, sein Leben nach Belieben zu gestalten. Doch wir können es nur gemeinsam schaffen. Das haben wir in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder unter Beweis gestellt. Lasst uns niemals vergessen: Wir sind ein Volk“.

Es sei egal, ob sich gesellschaftliche Gruppen in der Minderheit oder in der Mehrheit befänden. Jeder Bürger habe dasselbe Recht auf körperliche Unversehrtheit und individuelle Rechte. Niemand im Land dürfe aufgrund seiner Meinung oder Lebensweise unterdrückt werden. Der türkische Präsident Gül hatte zuvor gesagt, dass es keine „Hexenjagd​“ auf Oppositionelle und Demonstranten geben werde (mehr hier).

Cem Özdemir ist in Istanbul – hier.

Die türkische Polizei wünscht sich ein Ende der Ausschreitungen – hier.

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