Miss World: Indonesische Hardliner wollen Wettbewerb stoppen

Islamischen Hardlinern in Indonesien ist der bekannte „Miss World“-Contest offenbar ein Dorn im Auge. Sie bezeichneten den Schönheitswettbewerb als „unmoralisch“ und kündigten an, die Austragung in ihrer Heimat stoppen zu wollen. Zuvor hatten die Veranstalter bereits zugesichert, dass die Kandidatinnen nicht im Bikini laufen werden.

Die Hizb-ut-Tahrir Indonesien (HTI) kritisierten den Wettbewerb scharf. Ihres Erachstens sei das Ganze mit dem „Verkaufen von Frauenkörpern“ vergleichbar. Die Gruppierung drohte damit, Demonstrationen gegen die Veranstaltung durchzuführen. Unmut über die „Miss World“-Schau, so berichtet die türkische Hürriyet, käme überdies auch aus der Provinz, in der am Ende das Finale stattfinden solle.

An der Veranstaltung im kommenden September werden mehr als 130 Frauen teilnehmen. Einige Runden werden dann auf der Ferieninsel Bali ausgetragen. Das Finale findet in Bogor, außerhalb von Jakarta, statt. Bogor liegt in der Provinz West Java. Teile dieses Gebiets gelten als Hochburg für Radikale.

Sarongs statt Bikini: Nicht auf Druck von Radikalen

Bereits am vergangenen Mittwoch bestätigten die Veranstalter, dass die Teilnehmerinnen des Wettbewerbs während der Bademoden-Sektion auf Bali keine Bikinis, sondern stattdessen etwas konservativere Kleidung wie etwa traditionelle Sarongs tragen werden. Diese Entscheidung, so stellten sie jedoch heraus, sei nicht auf Druck von Radikalen gefällt worden, sondern auf Grund der Gepflogenheiten des Austragungslandes.

Für einige konservative Hardliner in Indonesien, wo rund 90 Prozent der 240 Millionen Einwohner Muslim sind, war dieses Zugeständnis aber offenbar nicht ausreichend. „Die Unterstützung dieses Ereignis ist das gleiche wie die Unterstützung des Verkaufs des weiblichen Körpers“, zitiert die Hürriyet Ismail Yusanto, Sprecher von Hizb-ut-Tahrir Indonesien (HTI). Frauen, so Yusanto weiter, würden sich hierdurch selbst erniedrigen. Indem sie erlauben würden, dass man sie wie Objekte betrachte auf die gestarrt werde und die beurteilt würden. In eine ähnliche Richtung äußert sich auch die Islamische Reformbewegung (Garis). Nach wie vor würden die Frauen bei diesem Wettbewerb Outfits tragen, die zu Sex und unmoralischen Handlungen anregen würden, so Garis-Chef Chep Hernawan.

Kritiker sollen sich mäßigen und genau hinsehen

Wie stark konservative Kräfte in Indonesien zuweilen sind, das bekam im vergangenen Jahr auch Popstar Lady Gaga zu spüren (mehr hier). Auch sie wurde von Hardlinern wegen ihres offenbar zu freizügigen Bühnenoutfits kritisiert. Die Folge: Am Ende wurde ein Konzert im Bung Karno Stadium in Jakarta trotz 50.000 verkaufter Karten sogar gestrichen, nachdem damit gedroht wurde, den Veranstaltungsort niederzubrennen. Schockierend waren auch Stimmen aus Saudi Arabien, die eine Vollverschleierung von Babys forderten (mehr hier).

Doch obschon es solche Stimmen gibt: Die meisten Indonesier praktizieren eine moderate Form des Islam. So forderte etwa die Nationale Kommission für Gewalt gegen Frauen dazu auf, den Schönheitswettbewerb doch etwas gemäßigter zu betrachten. Die Leute sollten prüfen, ob der Contest die Frauen wirklich als Menschen betrachte und ob die Richter die Damen nach ihren Talenten beurteilten, so der Kommissar der Gruppe, Andi Yentriyani

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